Frau Urbatsch, wie sind Sie auf die Idee von arbeiterkind.de gekommen?
Die Idee entstand bereits während meines Studiums. Schließlich war ich selbst die erste in meiner Familie, die studierte – meine Eltern absolvierten eine Banklehre und arbeiteten danach selbständig. Als ich dann in Berlin an der FU Berlin meine erste Hausarbeit schreiben musste, stellte ich fest, dass ich mit meinen Fragen niemand aus meiner Familie fragen konnte, während meine Kommilitonen bei ihren Arbeiten Hilfe von zu Hause bekamen.
Auch viele Informationen zu Stipendien erhielt ich erst während des Studiums, während anderen diese Möglichkeiten von Anfang an über ihr Elternhaus zur Verfügung standen. Über die Frage, wie man den Zugang zu solchen Informationen für Kinder von Nichtakademikern erleichtern kann, diskutierten wir oft im Freundeskreis. Wir sagten immer: „Da muss man doch was machen!“
Aber die Idee zu verwirklichen, dauerte dann doch etwas länger?
Allerdings. Während meines Studiums der Nordamerikastudien, BWL und Publizistik hatte ich keine Zeit, vor allem, da ich im Januar 2007 mit meiner Promotion am Internationalen Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften begonnen hatte.
Startpunkt war dann der Spot von startsocial.de, einem Wettbewerb für soziale Projekte (checken), indem dazu aufgerufen wurde, Konzepte einzureichen. Also habe ich mich hingesetzt und das Konzept zu arbeiterkind.de, einer Website zur Information und Vernetzung von Studierenden nichtakademischer Eltern, entwickelt. Mein Projektplan wurde als einer von 100 Initiativen ausgewählt und mein Team und ich bekamen die Chance, arbeiterkind.de zu entwickeln.
Wie war denn die bisherige Resonanz?
Mit einem Wort? Überwältigend. Die Website scheint einen Nerv getroffen zu haben, die Presse berichtet über uns, wir bekommen viele Mails, in denen uns Leute von ihren Erfahrungen berichten: Eine Frau war zum Beispiel dabei, die letzten Endes auf ein Studium verzichten musste und jetzt im Alter versucht, noch ein bisschen etwas nachzuholen. Ein Mann schrieb, dass er zwar sein Studium geschafft hat, dass es aber ein sehr langer, sehr harter Weg war.
Was soll über die Website hinaus passieren?
In Gießen starten wir mit einem Modellprojekt an berufsvorbereitenden Schulen, in denen wir Schüler gezielt ansprechen werden. Das Projekt soll auch in Osnabrück durchgeführt werden.
Außerdem suchen wir Mentoren an Hochschulen, die sich zur Verfügung stellen, von Schülern und Studienanfängern angesprochen zu werden und bei Fragen und Problemen weiterzuhelfen.
Zur Person:
Katja Urbatsch, studierte an der Freien Universität Berlin Nordamerikastudien, BWL und Publizistik. Seit Januar 2007 schreibt sie ihre Promotion am Internationalen Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften, das von der Exzellenzinitiative gefördert wird. Anfang 2008 wurde ihr Konzept von arbeiterkind.de von der Initiative StartSocial ausgewählt und gefördert: Mit Unterhalt und Beratung. Arbeiterkind richtet sich an Studierende aus nichtakademischen Elternhäusern. Diese sollen über diese Seite Informationen zu Finanzierung, Stipendien und weiteren Fördermöglichkeiten erhalten und sich vernetzen können. Außerdem werden Studentinnen und Studenten gesucht, die ihre Erfahrungen und Tipps an Schüler und Studienanfänger weitergeben.
Also, auf zu arbeiterkind.de
Was tun! arbeiterkind.de