Immer weniger Schadstoffe
Der neue Mercedes-Benz Actros ist der verbrauchsgünstigste Serien-LKW der Welt und steht sogar im Guinness Buch der Rekorde. Exakt 19,44 Liter Diesel auf 100 km für den 40 Tonnen Sattelzug ist das Ergebnis der Messfahrt über 12.728,94 Kilometer. Er reduziert die Co2-Emission auf 20,5 Gramm je Tonne Nutzlast und Kilometer.
Abgasnormen spielen bei Fahrzeugen eine zunehmend wichtige Rolle und die Gesetzgebung wird immer kritischer, um die Schadstoffwerte zu senken – auch bei Trucks. In diesem spannenden Bereich arbeitet Melanie Lücke. Die 27-jährige Ingenieurin durchläuft bei Daimler in Stuttgart seit März 2008 das Career Programm und ist im Bereich Abgasnachbehandlung für Medium Duty Trucks tätig. Darunter fällt der Atego, während der Actros zum Heavy Duty Truck zählt. Melanie Lücke wird später nach ihrer 15monatigen Traineezeit in der Entwicklung arbeiten. Schon jetzt ist sie mitten im Geschehen: Es geht um die Euro6-Abgasnorm. Gegenüber der Euro5-Norm müssen die Stickoxide um 80 Prozent und die Partikelemissionen um 66 Prozent reduziert werden.
Melanie Lücke war bereits sechs Monate lang in der Prüfstandbetreuung, hat dort Programme geplant, betreut und ausgewertet sowie Präsentationen der Ergebnisse erstellt. „Dazu gehörte auch die Materialbeschaffung wie beispielsweise Abgasrohre und Verbindungselemente wie Schellen und Flansche. Ich musste außerdem vor Ort Umbauten beim Prüfstand betreuen. Bei allem kommt es darauf an, in einem Raum von nur etwa 10 Quadratmetern die Prüfsituation so realitätsnah wie möglich durchzuführen – auch wenn die Abmessungen andere als beim Truck sind.“ So hat der Atego 7 bis 15 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht und etwa 180 bis 290 PS. Getestet werden am Prüfstand auch immer unterschiedliche Motoren.
Praxisnahe Trainee-Station Prüfstand
Diese Trainee-Station habe ihr viel Spaß gemacht. „Die Motoren laufen und alles ist sehr praxisnah. Später sprechen wir dann im Team die Ergebnisse durch.“ Die Zusammenarbeit mit den Prüfstandfahrern, Technikern und Ingenieuren sei immer sehr konstruktiv. Dass sie eine Frau ist, spiele keine Rolle, sagt Melanie Lücke. „Wir haben im Team noch eine Ingenieurin und eine Assistentin.“ Außerdem nehme der Anteil der Frauen bei Daimler zu. Das Unternehmen fördert junge Ingenieurinnen und möchte den Frauenanteil erhöhen.
Seit zwei Wochen arbeitet Melanie Lücke in der Forschung – hauptsächlich im Labor, betreut aber auch weiterhin den Prüfstand. Zum Schutz trägt sie einen weißen Kittel und einen Mundschutz. Versuche vorbereiten, durchführen, steuern und auswerten am Computer gehört dazu. Tabellen und Diagramme sind zu beschreiben. „Man vergleicht die verschiedenen Versuche anhand von gemittelten Werten“, erklärt die junge Ingenieurin. Da die Randbedingungen wie Temperatur oder Massenstrom immer wieder variiert werden, entstehen stets neue Ergebnisse, die zu neuen Erkenntnissen führen.
Auslandsaufenthalt verpflichtend
Während ihrer bisherigen Traineezeit war die 27-Jährige auch drei Monate in Japan in einem internationalen Projekt beschäftigt. Dabei ging es um die Simulation der Abgasnachbehandlung am Computer. Eine spannende Zeit mit vielen ungewöhnlichen Eindrücken, die bleiben. „Wir haben um 8 Uhr den Arbeitstag mit Gymnastik begonnen.“ Die Verständigung auf Englisch sei teilweise schwierig gewesen. Ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt gehört fest zum Traineeprogramm. Jedoch werden das Projekt und das Land individuell auf jeden Trainee und seine beruflichen Ziele zugeschnitten. „Viele meiner Kollegen gehen in die USA oder nach Spanien“, sagt Lücke. Sprachen sind in ihrem Beruf wichtig, denn das Nutzfahrzeuggeschäft ist international. Auch Melanie Lückes Kollegen sind multikulturell mit zwei Ingenieuren aus Frankreich und jeweils einem aus Kamerun, China und Kolumbien. Gesprochen wird meistens Deutsch, aber Melanie Lücke spricht auch Englisch und Französisch.
Sie hat Luft- und Raumfahrtechnik in Stuttgart studiert und 2007 ihre Diplomarbeit über Wirbelablösung und Vermeidung von Wirbelablösung in Davis, USA geschrieben. „Als ich dann die Stellenausschreibung von Daimler las, passte es wie der Topf zum Deckel.“ Nach dem Ende ihrer Traineezeit möchte sie zunächst bei Daimler in der Entwicklung arbeiten und noch viel dazulernen, „denn der Bereich Abgasnachbehandlung ist ein sehr komplexes Gebiet“. Später kann sich die junge Ingenieurin auch einen anderen Bereich des Konzerns vorstellen, „vielleicht PKW oder ich gehe für zwei bis drei Jahre ins Ausland“.
Traumjobs: Heavy Duty - Nutzfahrzeuge