"Ich will wissen, wie die Dinge funktionieren."
Bild: Privat

"Ich will wissen, wie die Dinge funktionieren."

Lukas Wörle arbeitet heute bereits an den Funkgeräten der Zukunft. Für Rohde & Schwarz entwickelt der Entwicklungsingenieur Software für Funkgeräte. Im Interview erklärt er, warum er so gern im Bereich Forschung & Entwicklung arbeitet und was er anderen Studierenden empfehlen würde. Der Sport- und Theaterbegeisterte Wahlmünchner plädiert für Praxis und Auslandserfahrung.

Von Ute Blindert.

Erklären Sie unseren Lesern doch einmal kurz, was genau Sie machen? 

Ich bin Entwicklungsingenieur für Funkkommunikationsprotokolle und arbeite mit an einem Software Defined Radio (SDR), d.h. einem Funkgerät, in dem große Teile der Funktionalität in Software realisiert sind. Die Aufgabe meines Teams ist es, die Software für das eigentliche Funkverfahren zu entwickeln. Jeder im Team bekommt eine bestimmte Softwarekomponente zugeteilt, für deren Funktionalität samt Konzept, Modell und Umsetzung er zuständig ist. Vereinfacht gesagt: ich überlege mir ein Konzept, was meine Software können muss, wie ich es umsetze und bin am Ende auch bei der Umsetzung – dem Implementieren des Codes – dabei. 

Können Sie uns kurz etwas zu Ihrem Werdegang erzählen? 

Ausschlaggebend für mein Studium in München war für mich nach meinem Abitur 2005 mein Technikinteresse. Ab dem dritten Semester habe ich mich nach Werkstudentenjobs umgeschaut – in erster Linie um mein Studium zu finanzieren. Dabei habe ich festgestellt, dass es für unsere Branche ein großes Angebot gibt. Mein erster Job als Werkstudent war bei O2 Germany. Auf Rohde & Schwarz bin ich erst später durch den Fallstudien-Wettbewerb aufmerksam geworden – ein Wettbewerb, der einmal im Jahr an verschiedenen Hochschulen und bei Rohde & Schwarz durchgeführt wird. Der kurze Einblick in das Unternehmen hat Lust auf mehr gemacht. Es ergab sich die Möglichkeit, dass ich meine Studienarbeit mit dem Werkstudentenjob verbinden konnte. So konnte ich die Theorie bereits in der Praxis anwenden. Später war ich im Rahmen meiner Diplomarbeit bei der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK tätig.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Faszinierend ist das abwechslungsreiche Tätigkeitsfeld. Angefangen bei der Konzeptionierung über die eigentliche Implementierung und die Tests inklusive der Abstimmung mit den Kollegen, ist man beim gesamten Prozess dabei.
Außerdem beschäftigt man sich mit sehr anspruchsvollen, komplexen Themen. Mich persönlich motivieren die kleinen Erfolge, wenn man ein Problem löst und dadurch die Funktionalität einer Softwarekomponente erweitert.
Und zuletzt: Man hat ein hohes Maß an Eigenverantwortung – ich durfte von Anfang an innerhalb meines Themenbereichs eigenverantwortlich handeln.

Was hat Sie daran gereizt, im Bereich Forschung & Entwicklung einzusteigen? 

Ein ausschlaggebender Punkt in die Forschung & Entwicklung einzusteigen war für mich der Wandel der Gesellschaft zur Informationsgesellschaft. Im Alltag umgeben uns sehr viele informationstechnische Produkte. Ich hatte den Drang zu sehen wie die Dinge funktionieren und nicht nur ein Gerät zu bedienen. Es reizt mich dabei auch die Tatsache, dass man für sich ableiten kann, welche Techniken den Markt in Zukunft erobern könnten. Da man ja direkt am Puls der Technologie sitzt, entwickelt man einen Weitblick für technologische Innovationen.

Das ist ja praktisch. Ist das auch ein wichtiger Aspekt Ihrer Arbeit – zu wissen wohin die Reise geht? 

Für die unmittelbare tägliche Arbeit ist das Gespür nicht zwingend notwendig – aber für mich persönlich. Es motiviert mich unheimlich, dass ich eine Aussage treffen kann, wann ein Zukunftsstandard am Markt sein wird. Denn: ich arbeite mit meinen Kollegen ja jetzt schon daran.
Es ist natürlich wichtig, ein Interesse dafür zu haben, was technisch möglich ist und wie man die Anforderungen der Gesellschaft durch unsere tägliche Entwickler-Arbeit erfüllen könnte. Die Arbeit in der Forschung und Entwicklung erfordert Begeisterung für das Konzept hinter den fertigen Geräten. Wenn wir von „Konzepten“ sprechen, meinen wir die Darstellung der Interaktion der Bestandteile einer Software mit Hilfe von Modellen. Was die Forschung & Entwicklung bei Rohde & Schwarz betrifft, ist für mich reizvoll, dass fast die komplette Hard- und Software im Haus entwickelt und getestet wird. In der Entwicklung ist es nicht immer so, dass man diesen Einblick hat. Somit kann ich aber abschätzen, wie sich die Arbeit der Hardware-Kollegen auf meine Arbeit – die Software – auswirkt.

Wenn Sie sich Ihren Werdegang anschauen, was würden Sie Studierenden heute raten, die in den Bereich Forschung & Entwicklung möchten?

Ich kann jedem den Tipp geben, nach den ersten Semestern im Studium schon praktische Erfahrungen zu sammeln. Es hilft, das Gelernte in die Praxis zu übertragen und zeigt, wie breit das Studium gefächert ist. Außerdem würde ich jedem ein Auslandssemester empfehlen. Ich habe während meines 6-monatigen Aufenthalts in Schweden beispielsweise sehr stark auf der persönlichen Ebene profitiert. Genauso wie man beim Sport und beim Theater aus dem Arbeitsleben heraus kommt, so kommt man dort auch aus seinem Studium raus und bekommt den Einblick, wie anderswo gelernt wird. Meine persönliche Meinung ist auch, dass man sich lieber dieses halbe Jahr zusätzlich gönnt und die Erfahrungen sammelt. Auch wenn es wahrscheinlich der weitläufigen Meinung widerspricht, schnell mit dem Studium fertig werden zu müssen.

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