Wenn Jonny auf den Rücken fällt, kann es schon ein paar Sekunden dauern, ehe er seine Arme nach vorne streckt, sich aufrichtet, sein linkes Bein elegant über das rechte schwingt, sich umdreht und auf seine Kniee stützt und aufsteht. Dafür war Jonny schon in Singapur und weiß ein ganzes Team an Trainern hinter sich – die Mannschaft der WF Wolves aus Wolfenbüttel.
Denn Jonny ist etwas ganz besonderes, nämlich ein humanoider Roboter, der in der Kid-Size-League des RoboCup mitspielt. Er wurde von Studenten und Studentinnen der Hochschule Ostfalia am Campus Wolfenbüttel entwickelt, die sich zu einem Team von insgesamt 15 Mitgliedern zusammengetan haben. Die Studenten kommen vor allem aus den Fachrichtungen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik. So wie Sina Ciesielski, Teamleiterin der WF Wolves, die sich im letzten Theoriesemesters ihres Elektrotechnik-Studiums befindet: "Mir gefällt vor allem der Austausch mit anderen Fachrichtungen. Außerdem lernen wir dabei, unser theoretisches Wissen aus dem Studium auch in der Praxis anzuwenden."
Das RoboCup-Team am Campus Wolfenbüttel wurde 2007 gegründet und spielt in den Ligen Mixed Reality und Humanoid mit. Insgesamt gibt es bei RoboCup zahlreiche unterschiedliche Ligen, die von den kleinen 2 Kubikzentimeter großen Mixed-Reality-Bots reichen bis zu den Humanoiden der Adult-Size-League, die Menschengröße erreichen können. Endziel der 1995 gegründeten RoboCup-Organisation ist es, im Jahr 2050 ein Team aus Robotern gegen den menschlichen Fußball-Weltmeister antreten zu lassen.
Weltmeister in Singapur!
Beim Mixed-Reality-Wettkampf sind nur die MR-Bots real, während das Spielfeld und der Ball simuliert werden, - eine Paradedisziplin der WF Wolves, die beim letzten RoboCup-Event in Singapur Weltmeister wurden! Bei den kleinen Metallwürfel werden Drehungen durch unterschiedliche Geschwindigkeiten zweier Räder erzeugt, der virtuelle Ball selbst wird indirekt über einen Befehl getreten. Somit bildet die Mixed-Reality eine Brücke zwischen Simulation und Realität.
Im Team Mixed-Reality arbeiten vor allem Informatiker und auch Elektrotechniker, während bei den Humanoiden Maschinenbauer, Elektrotechniker und Informatiker zusammenkommen. Das Gesamtteam wird zusätzlich unterstützt von einem Medieninformatiker und einer angehenden Tourismus-Managerin. "Ohne unsere Tourismus-Managerin wären wir in Singapur glatt verhungert", erzählt Sina Ciesielski lachend, "denn wir hatten mit den Robotern so viel zu tun, dass wir uns um nichts anderes mehr kümmern konnten."
Der RoboCup wird jedes Jahr veranstaltet und findet immer an verschiedenen Orten statt, 2010 in Singapur, davor in Graz und nächstes Jahr in Istanbul. Neben den "Fußballspielen", die für sehr unterschiedliche Roboter stattfinden, können sich Teams aus aller Welt auch für Disziplinen wie "Rescue" (Rettung) oder "Home" (Haus) bewerben. Sogar Junior-Teams ab sechs Jahren aufwärts können sich qualifizieren und ihre Roboter tanzen, retten oder Fußball spielen lassen. Dafür werden für den RoboCup-Event Messehallen umgebaut, damit die Fußballfelder Platz finden und auch die Rampen und Erdhügel für die Rescue-Teams.
Go, Jonny, go!
In der nächsten Zeit steht nun die Weiterentwicklung des Humanoiden Jonny an, der mit den zwei weiteren Humanoiden Locutus und Hugh in einer Mannschaft spielt. Die Roboter werden zunächst aus einem Bausatz des RoboBuilder Kits gefertigt, auch die Elektromotoren (Servos) sind bereits fertige Bestandteile. "Wir arbeiten ständig daran, die Regelungstechnik und die Sensorik zu verfeinern. Auch die Energiezufuhr muss ständig optimiert werden, da wir ja nur mit Akkus arbeiten können", berichtet Teamleiterin Sina Ciesielski. Jonny und seine Teamkollegen sollen schließlich merken, wenn sie hingefallen sind oder wenn der Ball in ihre Nähe kommt. Beim "Body" arbeiten die WF Wolves daher mit einem Microcontroller, der in C programmiert wird, der "Kopf" in C++.
Neben Programmierung steht auch solide Konstruktion auf dem Programm. So entwickelte Sina Ciesielski zum Beispiel verbesserte Hände in einem CAD-Programm und in Zusammenarbeit mit der Hochschule konnten die Kunststoff-Prototypen gefertigt werden.
Insgesamt fühlen sich die WF Wolves sehr von ihrer Hochschule unterstützt. So hat das Team auch die Möglichkeit, Projektarbeiten und sogar Bachelor-Arbeiten anzubieten. Wer sich dafür interessiert, wird hier fündig: http://robocup.fh-wolfenbuettel.de/index.php/de/projekte
Wir sind Weltmeister