Was tun! Study & Consult aus Siegen
Bild: Study Consult e.V.

Was tun! Study & Consult aus Siegen

Wenn Unternehmen Beratung benötigen, rufen sie normalerweise McKinsey und Co. Die sind gut – und teuer. Daher entstand in den 60er Jahren in Frankreich die Idee, Studenten als Berater einzusetzen. Zum Vorteil für beide Seiten: Die studentischen Berater erfahren Unternehmenspraxis und Berateralltag aus erster Hand, und Unternehmen bekommen maßgeschneiderte, kreative Lösungen zu günstigen Tagessätzen.

Von Ute Blindert.

In unserer “Was tun!”-Reihe stellen wir die studentische Beratung “Study & Consult e.V.” aus Siegen vor. Dafür sprach Zukx-Herausgeberin Ute Blindert mit Tobias Hecker, dem Vorstand Kommunikation. 

Herr Hecker, wie kamen Sie zu Study & Consult?

Durch meine Berufserfahrung vor dem Studium hatte ich großes Interesse daran, Praxis und Theorie miteinander zu verbinden. Als sich dann die Mitglieder von „Study & Consult“ in einer Vorlesung vorstellten, war das für mich der Anlass, bei der studentischen Unternehmensberatung mitzuarbeiten.

Seit zwei Jahren engagiert sich Tobias Hecker in der studentischen Unternehmensberatung „Study & Consult e. V.“ an der Universität Siegen, seit Mitte letzten Jahres auch im Vorstand. Nach Abitur und Zivildienst beendete er 2001 seine Ausbildung als Medienberater und arbeitete danach als Kundenberater in einem Lithografie-Unternehmen. Seit dem Wintersemester 2002 studiert er an der Universität Siegen den Diplom-Studiengang Medienwirtschaft..

Study & Consult” an der Uni Siegen entstand vor elf Jahren. Der Verein gehört dem BDSU, dem Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e. V. und dem JADE (European Confederation of Junior Enterprises) an.

Wer bei “Study & Consult” mitarbeiten möchte, muss sich erst einmal als Anwärter beweisen. Während des Anwärterstatus muss sich ein Berater in spe in Schulungen zu Projektmanagement, Rhetorik oder Teambildung weiterbilden und an einem Projekt teilnehmen.

Mancher entscheidet sich dann gegen eine Laufbahn als studentischer Berater. Für die anderen stehen spannende Projekte auf dem Programm.

Von Anfang an wird jedem Neuling ein Mentor an die Seite gestellt. Mitglieder des Vereins können an internen Projekten, bei Fallstudien und Workshops in Unternehmen teilnehmen. „Manche Studenten, die am Anfang eher einen schüchternen Eindruck machten, wachsen im Laufe ihrer Zeit bei uns sehr stark, übernehmen Projekte oder halten Workshops“, erzählt Tobias Hecker. Für jedes von „Study & Consult“ akquirierte Projekt ist ein Projektsteuerer Ansprechpartner. Dieser stammt aus dem 106 Mitglieder starken Alumni-Pool, also ehemaligen Beratern. Für jedes Projekt wird eigens eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gegründet, die dann die Aufgabe eigenverantwortlich bearbeitet.

Wie muss ich mir den Ablauf eines Projekts vorstellen?

Nehmen wir mal das Beispiel der Implementierung eines ERP- Systems , also einer Software zur besseren Planung der Unternehmensressourcen, in einem mittelständischen Unternehmen. Unsere Berater erfassen beim Kunden vor Ort, welche Prozesse bei ihm anfallen, wie diese gestaltet sind und wie sie ineinander greifen. Daraus erstellt das Team dann ein Pflichtenheft und beginnt zu recherchieren, welche Programme die Anforderungen am besten abdecken könnten. Drei Möglichkeiten werden schließlich in die engere Wahl gezogen und nochmals überprüft. Dann sprechen unsere Berater eine Empfehlung aus.
Wenn sich der Kunde schließlich für eine Lösung entschieden hat, implementieren wir zusammen mit dem Software-Anbieter das Programm im Unternehmen und modifizieren es anhand der Bedürfnisse des Kunden.

Worin bestehen die Vorteile einer studentischen Unternehmensberatung?

Wir gehen mit sehr großer Motivation an unsere Projekte heran und sind mit viel Herzblut bei der Sache. Dadurch, dass wir noch nicht so viele Projekte bearbeitet haben, gehen wir ganz unbefangen an jede Fragestellung heran und finden so manchmal überraschende und unkonventionelle Lösungen. Außerdem haben wir als Studenten oft einen ganz anderen Zugang zu den Mitarbeitern in den Unternehmen.

Für unsere Mitglieder liegen die Vorteile in der Berufserfahrung, die sie bereits während ihres Studiums sammeln können. Außerdem können wir frühzeitig Kontakte knüpfen zu Unternehmen, lernen sehr viel in unseren Workshops und auch durch die Zusammenarbeit mit unseren Kuratoriumsmitgliedern, zu denen zum Beispiel auch der Rektor der Universität Siegen, Professor Ralf Schnell, gehört.

Wo arbeiten denn Ihre Berater nach dem Studium?

Das ist ganz unterschiedlich: Einige machen sich selbständig, sowohl als Berater oder als Maschinenbauer. Einige arbeiten in großen Unternehmen oder auch bei den bekannten Consulting-Unternehmen.

Was empfinden Sie als positiv an Ihrer Zeit bei „Study & Consult“?

Ich persönlich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und zu motivieren. Die Chance, so viel Praxis zu lernen, erleichtert den Jobeinstieg enorm. Was mich besonders positiv überrascht hat, war die hohe Motivation und die Eigeninitiative der Studenten. Das hätte ich in dem Maß nicht erwartet.

Die Teams werden je nach Aufgabenstellung des Projekt zusammengestellt. Dabei finden sich BWLer neben Literaturwissenschaftlern, Wirtschaftsrechtler neben Maschinenbau-Studenten wieder. Hat das Akquisitionsteam von „Study & Consult“ ein Projekt an Land gezogen, das aus dem eigenen Berater-Pool von zurzeit 30 Beratern und 25 Anwärtern nicht abgedeckt werden kann, können über den BDSU (Bund Studentischer Unternehmensberatungen e. V.) weitere Mitarbeiter gesucht und das Team bundesweit zusammengestellt werden.

Um geeignete Mitglieder für die Mitarbeit bei „Study&Consult“ zu finden, wirbt der Verein aktiv bei seinen Siegener Kommilitonen für die studentische Unternehmensberatung. Dafür gehen die Studenten in Vorlesungen und stellen den Verein auf Info-Veranstaltungen vor. Wer sich für die Mitarbeit bei “Study & Consult” interessiert, kann sich auf der Website  www.praxiserleben.de  oder  www.study.de ausführlich informieren.



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