Was tun! Das MeinProf-Team

Müsste es nicht eine Möglichkeit geben, sich vor einem Kurs oder einer Vorlesung zu informieren, wie gut oder schlecht ein Dozent liest, ob er sich für seine Studenten engagiert und regelmäßig Sprechstunden abhält? Ob er gute Scripte zur Verfügung stellt und die Note gerecht ist?

Von Ute Blindert.

Das dachten sich zumindest fünf Studenten der TU Berlin im Spätsommer des Jahres 2005. Einer von ihnen, Jonathan Weiss, hatte kurz zuvor bei einem Summer-School-Aufenthalt in den USA das Bewertungsportal “Ratemyprofessor.com” kennengelernt. 

Da er mit “Ruby on rails” auch gleich noch die passende Open-Source-Technologie gefunden hatte, konnte er seine Kommillitonen schnell begeistern: die Idee zu “MeinProf.de” war geboren. Und nicht mehr aufzuhalten. “Nachdem wir recherchiert und nichts Vergleichbares in Deutschland gefunden hatten, haben wir gleich mit der Programmierung angefangen”, erklärt Alexander Pannhorst, angehender Wirtschaftsingenieur, im “Tower” der TU Berlin, dem Noch-Sitz von MeinProf.de. “Dieses neue Framework hat uns bei der Realisierung von MeinProf.de sehr unterstützt. Damit ließ sich das, was wir vorhatten, sehr leicht und schnell umsetzen.”

Hinter MeinProf.de verbirgt sich eine Webseite, auf der Studierende an deutschen Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien ihre Dozenten beurteilen können. Für Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spaß, Interesse und das Verhältnis zwischen Aufwand und Note können Bewertungen zwischen “sehr schlecht” und “sehr gut” abgegeben werden. Zusätzlich kann der Kurs noch weiterempfohlen und Kommentare hinterlassen werden. Daraus werden dann Durchschnittsnoten von 1 bis 5 mit unterschiedlicher Gewichtung der Bewertungen errechnet, die das MeinProf-Team als Top-/Flop-Listen einzelner Fachbereiche, Hochschulen, Bundesländer und deutschlandweit online stellt.

Humppa und Pizza zum Durchhalten

Nach acht Wochen stand die erste Version von “MeinProf.de”. Hieß das Durcharbeiten? “Das bedeutete vor allem Nachtarbeit. Oft haben wir bis drei/vier Uhr morgens programmiert”, so Daniel Pruss. “Humppa und Pizza haben uns damals aufrecht gehalten...”, erzählt der Student des Wirtschaftsingenieurwesen schmunzelnd. Erinnert doch an legendäre Start-up-Storys? “Ja, stimmt!”, bestätigen Alexander Pannhorst und Daniel Pruss gleichzeitig.

Nachdem die Seite unter  MeinProf  Mitte November 2005 online gegangen war, trudelten die ersten Bewertungen ein. Einige engagierte Professoren unterstützten das Projekt, indem sie ihre Studenten aufforderten, Bewertungen zu hinterlassen. “Wir haben natürlich all unseren Freunden und Kommillitonen Bescheid gegeben. Berlin startete ganz gut. Andere Städte kamen dazu, vor allem weil Studenten anboten, Flyer zu verteilen oder Plakate aufzuhängen”, berichtet Alexander Pannhorst. Nach einem Bericht in Spiegel Online im Februar stiegen die Zugriffe so an, dass die Server streikten. “Dabei hatten wir unser kleines Netzwerk schon um zwei Privatrechner aufgerüstet. Aber das war einfach zu viel. Allerdings ging es danach richtig los und jeden Tag kamen neue Kurse, Bewertungen und Dozenten hinzu.”

Schimpftiraden am Telefon

Mit wachsendem Erfolg kam der Ärger. Einige Dozenten mit schlechten Bewertungen beschwerten sich. Manche machten ihrem Ärger richtig Luft. “Es kam nicht so oft vor, aber ich hatte zum Beispiel mal einen Dozenten am Telefon, der gar nicht mehr mit Schimpfen aufhören wollte. Das Gespräch konnte ich dann nur noch beenden”, berichtet Alexander Pannhorst. Einige Dozenten meldeten sich daraufhin beim MeinProf-Team und wollten ausdrücklich wieder gelistet werden. Als dann die ersten Briefe von Anwälten auftauchten, teilweise mit erheblichen Kostennoten, wollten die Studenten selbst Klarheit und gingen zum Datenschutz-Beauftragten in Berlin.

Nach den ersten informellen Gesprächen kam heraus, dass es doch einige Bedenken von Seiten der Datenschützer gab. Verkürzt geht es um das Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsschutz. Sind Professoren und Dozenten Personen im Licht der Öffentlichkeit, die sich auch einer öffentlichen Bewertung aussetzen müssen oder sollten sie nur nach streng wissenschaftlichen Regeln bewertet werden dürfen, so wie das ja auch an den Hochschulen geschieht. Dafür werden Studierende ja befragt, nur werden die Ergebnisse der Evaluation nicht veröffentlicht. Die offenen Fragen kann letzten Endes nur ein Gericht klären.

Das Team hat dem Druck von außen gut standgehalten. "Wenn ein Brief mit Drohungen im Anwaltsdeutsch kam, dann hat uns das schon erst einmal fertig gemacht. Aber dann ging man nach Hause, schlief eine Nacht darüber, sprach mit den anderen. Dann sah die Welt oft schon wieder ganz anders aus", erzählt Alexander Pannhorst.

Kein Pranger für Professoren

“Uns geht es ja nicht darum, Dozenten an den Pranger zu stellen. Wir wollen lieber mit ihnen zusammen arbeiten”, betont Alexander Pannhorst. Deshalb sind die MeinProfler sehr darauf bedacht, auffällig positive oder negative Bewertungen zu entdecken und zu entfernen. Dafür durchforsten sie regelmäßig die Datenbank und rufen Nutzer dazu auf, Auffälligkeiten zu melden. Mittlerweile dürfen nur noch registrierte Nutzer Bewertungen abgeben. Außerdem wurde die Mindestzahl von Bewertungen erhöht, ab der überhaupt erst eine Durchschnittsnote veröffentlicht wird. “Außerdem kann man mit uns reden. Wenn uns jemand darum bittet, entfernen wir auch einzelne Dozenten.”

Doch am liebsten sind ihnen Professoren wie jener, der eines Tages anrief und bat, einen Kontakt zu einem kritischen Studenten herzustellen. “Seine Fragen haben wir dann an seinen Studenten weitergeleitet. Später bekamen wir eine Mail von dem Dozenten, in der er erzählte, dass der Student in seine Sprechstunde gekommen sei und ihm seine Kritikpunkte genau dargelegt hätte. So könne er nun konkret Verbesserungen vornehmen.”

Wie es weitergeht...

In diese Richtung soll es möglicherweise weitergehen. Das MeinProf-Team steht vor der Frage, wie sich das Portal weiterentwickeln soll. In den letzten Wochen wurden Google-Anzeigen integriert. “Die reichen aber gerade aus, die Server zu bezahlen und Flyer oder Plakate drucken zu lassen. Da muss uns noch was einfallen.”

Ihr “Baby” soll ihr Baby bleiben. “Wir wollen jetzt niemand haben, der wahnsinning investiert und dann die Kontrolle übernehmen will. Wenn das Wachstum dadurch langsamer voranschreitet, dann ist das eben so”, betont Pannhorst.

Jonathan Weiss hat mit vier anderen Kommillitonen ein eigenes Unternehmen gegründet, die Peritor Wissensmanagement GmbH, und Thomas Kaschwig promoviert in Informatik. Thomas Metschke, Marketing-Kopf und Netzwerker der Fünf, studiert momentan in Wien und versucht, MeinProf.at voranzubringen.

Alexander Pannhorst wäre ab Mai, dann mit Diplom in der Tasche, derjenige, der sich in Vollzeit um MeinProf.de kümmern könnte: “Allein, um sich um die ganzen Mails und das Telefon zu kümmern, braucht man regelmäßig Zeit.”

Denkbar wären kostenpflichtige Kontaktmöglichkeiten zwischen Dozenten und Studenten, das Einstellen von Dokumenten oder umfangreicheren Fragebögen.

Es bleibt ihnen zu wünschen: 196.788 Bewertungen von 52.245 Kursen von 28.437 Dozenten in Deutschland sind eine reife Leistung. (Stand: 27.1.2007, 21:37). Seit dem Start vor mehr als 4 Jahren haben deutsche Studierende bereits mehr als 380.000 Bewertungen für über 94.000 Kurse von rund 44.000 Dozenten abgegeben (Stand: Mai 2010).

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