Was tun! Auf zu neuen Horizonten

Was sie in Argentinien erlebt hatte, gefiel Marie Ting von der BiTS in Iserlohn so gut, dass sie ein solches Projekt gern auch in Deutschland verwirklichen wollte. Bei “Horizonte” unterrichten Studenten und geben ihr Wissen an Senioren weiter.

Von Ute Blindert.

 Die Rede ist vom Projekt „Horizonte“, das an der privaten Business- and Information Technology School, kurz BiTS, in Iserlohn von Marie Ting und Steffen Schmidt angeschoben wurde. Dabei werden Studierende zu Dozenten und bringen “Senioren” das Internet näher.

 Die 22-jährige Marie Ting brachte die Idee vor gut einem Jahr von ihrem Auslandssemester in La Plata in der Nähe von Buenos Aires in Argentinien mit. „Während meines Auslandssemesters wollte ich mich in einem sozialen Projekt engagieren und die Uni schlug mir dieses Internet-Projekt für Senioren vor“, erzählt Marie Ting und lacht: „Eigentlich hatte ich mir ja etwas mit Kindern vorgestellt, aber schließlich überzeugte mich die warme und persönliche Atmosphäre zwischen Studierenden und Senioren so sehr, dass ich es auf jeden Fall auch hier in Deutschland mit so einem Konzept versuchen wollte.“ Schnell überzeugte Ting ihren Komillitonen Steffen Schmidt, der wie sie kurz vor Abschluss des Studiengangs “Medien- und Kommunikationsmanagement” steht, und einige andere Mitstreiter bei Horizonte mitzumachen. 

Bei dem Projekt „Horizonte“ laden Studierende Senioren zu Internetkursen ein, bei denen die Grundlagen und ersten Schritte im Netz erklärt werden. Der Begriff „Senior“ wird dabei sehr offen verwendet und steht auch immer wieder zur Diskussion: „Wir haben keinerlei Einschränkung vorgenommen. An den Kursen nehmen Menschen von 46 Jahren bis hin zu einem 92-Jährigen, der mit seiner 89-jährigen Frau kommt, teil“, berichtet Steffen Schmidt. Das Angebot wird so gut angenommen, dass mittlerweile ein zweiter Internetkurs sowie ein Medienkurs angeboten wird.  

In den Internetkursen starten die studentischen Dozenten erst einmal mit den Grundlagen, so Marie Ting. “Da wir nicht wissen, wie viel die Senioren können, fangen wir bei Null an und können das Niveau dann aber sehr individuell anpassen.” Ein Theorievortrag und ein Praxisteil wechseln sich in jeder Stunde ab. In der Probephase arbeiten die Teilnehmer in der Regel zu zweit am PC und fünf bis sechs Studierende stehen für Fragen zur Verfügung. Marie Ting ist nach wie vor begeistert von der offenen und warmen Atmosphäre: „Jede Stunde ist geprägt von gegenseitigem Respekt.“ Besonders fällt das in den Medienkursen auf, in denen die Teilnehmer viel mehr dazu aufgerufen sind, selbst mit ihren Gedanken und Überlegungen in den Diskussionen beizutragen.  

Das Horizonte-Konzept, so stellen es sich Steffen Schmidt und Marie Ting vor, soll an andere Hochschulen gebracht werden. Dafür werden Partner, also interessierte Studenten, bundesweit gesucht. Vertieft sich das Interesse, wird die Anfangsphase von den Iserlohnern Marie Ting und Steffen Schmidt begleitet. Ausgestattet mit einem Zeitplan und einer Grundlagenschulung sollen die weiteren Horizonte-Teams selbständig arbeiten. Eine erste Hochschule signalisierte bereits Interesse: “Unser Ziel sind zehn Hochschulen bis zum Ende des Jahres”, erklärt Steffen Schmidt. Idealerweise sollten sich die Teams virtuell miteinander vernetzen und sich einmal jährlich bei einem großen Workshop austauschen.

Was als Vernetzung der Kursleiter geplant ist, soll auf anderer Ebene auch bei den Teilnehmern stattfinden: Diese sollen sich in einer Community austauschen und über fachliche Fragen auch zu einem persönlichen Austausch finden. Als erster Schritt in die Richtung kann ein Community-Bereich auf der Website „DerWesten.de“ der WAZ-Mediengruppe sein, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander chatten können.

Marie Ting und Steffen Schmidt würden das Projekt gern an ihrer Hochschule etablieren und auch die ersten „Satelliten“ gern so weit auf den Weg bringen, dass sie sich allmählich aus dem Projekt herausziehen können. Schließlich steht bei beiden das letzte Semester mit der Bachelor-Thesis vor der Tür. Ein Unternehmenskonzept us der Horizonte-Idee zu machen, kommt für Marie Ting nicht in Frage: „Wir haben das Gefühl, dass unser guter Gedanke verloren gehen und alles eine ganz andere Grundlage bekommen würde.“ So können die Studenten vor allem Erfahrungen sammeln beim öffentlichen Vortrag und lernen, schwierige Dinge aufs einfach zu reduzieren, so Ting: „Unsere Dozenten sind alle viel selbstsicherer geworden und können mittlerweile sehr gut auf verschiedenste Leute eingehen.“


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