Was tun! “Gezähmtes Gewitter” für schöne Nägel
Bild: DHBW Engineering Stuttgart

Was tun! “Gezähmtes Gewitter” für schöne Nägel

Als Stephanie Tümmel im Winter 2003/04 für ihre Diplomarbeit untersuchte, ob Nagellack auf plasmabehandelten Fingernägeln besser halten würde, hatte sie sicher nicht mit diesem Echo gerechnet. In diesem Frühjahr erhielt sie den angesehenen Georg-Simon-Ohm-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Von Ute Blindert.
Stephanie Tümmel
Bild: privat
Wie kamen Sie darauf, ein Plasmagerät für Nagellack zu entwickeln?

Eigentlich ist die Idee zu der Diplomarbeit im Haus meines Professor entstanden. Professor Wolfgang Viöl beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Plasmabehandlung von Oberflächen und da besonders mit Holz. Als nun sein Sohn sah, wie sich seine Schwester die Nägel lackierte, meinte er: “Sag mal Papa, wenn das bei Holz funktioniert, warum nicht auch bei Fingernägeln?”

Über zwei Diplomarbeiten wurde dann an dem Thema gearbeitet, also zum Beispiel nach der richtigen Plasmaquelle gesucht und ein Generator entwickelt. Meine Aufgabe war es dann, den Wirkungsgrad und die Verträglichkeit des Geräts zu testen. So entsteht zum Beispiel UV-Strahlung bei der Plasmaentladung, und ich sollte herausfinden, ob diese gesundheitsschädlich ist.
Die Strahlung bei Einsatz des Geräts war allerdings so gering, dass wir sie kaum nachweisen konnten und uns erst ein noch empfindlicheres Gerät ausleihen mussten, um die Werte genau erfassen zu können.

Wie muss ich mir das denn nun genau vorstellen?

Für meine Versuche, darunter zum Beispiel zwei Doppelblindversuche haben sieben bis acht Frauen ihre Nägel zur Verfügung gestellt. Getestet haben wir zwei Nagellacke auf biologischer Basis.

Handhabung
Bild: privat
Die elektrische Plasmaentladung auf dem Fingernagel muss ich mir vorstellen wie ein “gezähmtes Gewitter”: Ein einzelner Blitz entlädt sich aus der dielektrisch-behinderten Elektrode auf die Nageloberfläche. Bildlich kann man sich das so vorstellen: Aus einer Wolke bei einem Gewitter entlädt sich ein Blitz, der auf die Erde, also den Fingernagel trifft. Um die Wolke befindet sich noch eine Isolation, die den Blitz, also die Plasmaentladung, “zähmt”. Unsere Probandinnen haben die Behandlung jedenfalls nicht gemerkt.

Und welcher Effekt ergibt sich durch die Plasmabehandlung?

Daraus ergeben sich zwei Effekte. Erstens: Die Oberfläche des Fingernagels wird besonders gründlich gereinigt, da jedes Fettmolekül, das sich auf einem Nagel befindet, oxidiert, also verbrannt, wird.

Kontaktwinkel
Bild: privat
Zweitens werden Atome in der Oberfläche eingelagert. Atomarer Sauerstoff wird an der Oberfläche eingebunden. Das erhöht die Oberflächenenergie und lässt sich wunderbar mit einem Wassertropfen illustrieren: Wenn ich auf einen unbehandelten Nagel einen Wassertropfen gebe, bleibt der dort als Halbkugel liegen. Bei den behandelten Nägeln zerfließt er bis an den Rand.

Wenn Sie nun einen Bionagellack auf Alkoholbasis verwenden, zerfließt der sehr leicht und verteilt sich ganz leicht über der ganzen Fläche.

Sind Sie nun zu einer Expertin für Nagellack geworden?

Weniger für Nagellack allgemein, da wir uns sehr schnell dem Bionagellack zugewandt haben. In konventionellem Lack sind viele Stoffe beigemischt, die den Lack sehr haltbar machen. Bionagellack darf diese Stoffe nicht enthalten. Daraus ergeben sich dann aber Probleme mit der Haltbarkeit. Da halten wir eine Anwendung unseres Geräts für gut möglich.

Können Sie sich denn eine kommerzielle Anwendung vorstellen?

An sich schon, aber mittlerweile habe ich mich ja ganz anderen Themen zugewandt. Zwar geht es wieder um Plasmaanwendungen, aber diesmal um die Wundbehandlung in der Dermatologie. Wenn alles klappt, werde ich auf dem Gebiet in den nächsten Monaten meine Doktorarbeit beginnen.

Die 30-jährige Stephanie Tümmel studierte zunächst Physik an der Universität Göttingen. Doch obwohl ihr die Mathematik und Physik schon immer lagen, legt ihr die Theoretische Physik einen Stein in den Weg. Auf der Suche nach einem neuen Studiengang stößt sie auf die Physiktechnik an der FH Hildesheim unter der Leitung von Professor Wolfgang Viöl. Die Betreuung an der kleinen, “familiären” Hochschule beschreibt sie als “sehr gut. Jeder konnte sich immer mit seinen Fragen an die Dozenten wenden.”

Nach dem FH-Diplom im März 2004 absolviert die angehende Doktorandin ein Master-Studium in “Optical Engineering/Photonics”. Im Frühjahr 2007 erhielt sie für ihre Arbeit über die Plasmabehandlung von Fingernägeln den Georg-Simon-Ohm-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für herausragende FH-Absolventen..


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