Bereits mithilfe einfacher PET-Flaschen lassen sich auf diese Weise zwei bis drei Liter reinigen. Eine Familie benötigt jedoch zahlreiche davon. Ein Grund für Verena Brückner, angehende Produktgestalterin aus Waiblingen, den WaterDonut zu entwickeln.
Clevere Produkte für einen leichteren Alltag
Bei der Suche nach einem Thema für ihre Bachelor-Thesis war die heute 26-jährige Absolventin auf das Problem mit der Trinkwasserreinigung gestoßen: Könnte sich nicht eine effektivere und trotzdem preisgünstige Lösung als PET-Flaschen finden lassen? Am Ende stand der WaterDonut & UltraPipe: „Der WaterDonut besteht aus zwei sichelförmigen Hälften, die sich zu einem Fass zusammenschnallen lassen – welches ohne großen Kraftaufwand gerollt werden kann. Jede Hälfte fasst 16 Liter Wasser. In bereits sechs Stunden lassen sich so 32 Liter Wasser sicher entkeimen“, erklärt Verena Brückner ihr Produkt. Die schwarze Außenhaut des WaterDonut sorgt in der Sonne sogar dafür, dass sich die Hitze verstärkt und mit der UV-Strahlung zusammen wirken kann.
Und wenn die Sonne mal nicht scheint?
Auch daran hat die 26-jährige Schwäbin gedacht und dem WaterDonut noch die UltraPipe hinzugefügt, bei der eine druckbetriebene Membran dafür sorgt, dass sich das Wasser auch im Schatten reinigen lässt. Doch obwohl eine solche Membran lediglich um die fünf Euro kostet und nur einmal im Jahr ersetzt werden müsste, macht erst die Kombination aus beiden Wirkmöglichkeiten einen Einsatz auch für finanziell besonders schlecht gestellte Menschen interessant – sofern die erstmalige Verteilung des Systems von Vor allem Entwicklungsorganisationen übernommen wird. Auch eine Anwendung in Krisengebieten bietet sich an.
Simpel und einfallsreich
Diese simple und einfallsreiche Lösung für sauberes Trinkwasser gefiel den Juroren des James-Dyson-Awards so gut, dass Verena Brückner ins Finale des Internationalen Erfinderwettbewerbs kam. Im Oktober 2010 folgte der Bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner. Die Jury ließ sich nicht nur von der Gestaltung, sondern auch von der gesellschaftlichen Relevanz und dem durchdachten Konzept überzeugen.
Traumberuf: Designerin
Eigentlich war Verena Brückner immer klar, dass sie einmal Designerin werden würde: „Schon als Kind hatte ich immer eine Vorstellung von einem Produkt in meinem Kopf. Wenn ich das dann aber kaufen wollte, konnte ich es in keinem Geschäft finden!“ Auch ihre Begeisterung und Begabung fürs Zeichnen wiesen geradewegs auf eine Ausbildung als Produktdesignerin hin. „Zum Glück!“ - wie sie selbst betont -, wurde sie nicht zugelassen, als sie sich für einen Studienplatz in Kunstgeschichte auf Lehramt bewarb. Denn vom Start weg im Sommersemester 2006 an der Hochschule Schwäbisch-Gmünd studierte sie mit großer Begeisterung und Engagement.
Mittlerweile hat sie nach dem Bachelor 2009 auch ihren Master-Titel in der Tasche. Für den Master wechselte die Waiblingerin von der Hochschule Schwäbisch-Gmünd an die Hochschule Pforzheim. Parallel zum Masterstudium blieb sie als studentische Hilfskraft am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart beschäftigt. Ein hartes Pensum, wie Verena Brückner selbst findet: „Mir war beides wichtig, Arbeit und Studium. Also musste ich mich eben gut organisieren.“
Im Kollektiv geht’s besser?
Beim Fraunhofer IAO schrieb sie schließlich auch ihre Masterarbeit zum „Kollektiven Gestaltungsprozess“. Dahinter steht die Annahme, dass eine Masse an Menschen in der Regel vernünftig entscheidet und gemeinsam zu durchdachten Lösungen kommen kann. Dabei nahm sie ihren eigenen Entwurf für einen Heimarbeitsplatz für ältere Arbeitnehmer als Grundlage, um dieselbe Fragestellung einem Kollektiven Gestaltungsprozess zu unterwerfen. Die Internet-Plattform, die Verena Brückner entwarf, war offen für alle Benutzer. Allerdings mussten mit erheblichen Aufwand Nutzer gefunden werden, die auch bereit waren, sich zu engagieren. „Eine Herausforderung war auch, dass sich Jüngere nicht unbedingt für das Thema „Home-Office für Ältere“ interessieren und Ältere noch nicht so bereit vertraut mit dem Internet waren, um sich mit dieser neuen Methode auseinanderzusetzen“, berichtet Verena Brückner kritisch. Doch gerade ihre Erkenntnisse aus der Masterarbeit lassen sich nun gut in Unternehmen einbringen, die sich in Zeiten des Web 2.0 mit interaktiven Prozessen bei der Produktentwicklung arbeiten möchten.
Verena Brückner ist jetzt erst einmal froh, mit dem Master fertig zu sein. Und freut sich bereits auf die nächste Herausforderung.
Kollektiver Gestaltungsprozess
Linux, Open Office oder Wikipedia machen es vor – in vielen Bereichen lässt sich erfolgreiche kollektive Zusammenarbeit bereits beobachten. Durch die Selbstkontrolle der Mitwirkenden entstehen hier qualitativ hochwertige Ergebnisse, die nicht nur mit herkömmlichen Lösungen mithalten, sondern auch viel schneller auf Veränderungen reagieren können.
Der Bereich Gestaltung steht im Punkt kollektive Zusammenarbeit jedoch noch am Anfang. Häufig treffen wir auf Unternehmen, die das Potential der Masse zur Ideenfindung (Ideenwettbewerbe) einsetzen, wie Tchibo mit den Tchibo Ideas (www.tchibo-ideas.de). Wirkliche kollektive Gestaltung wird jedoch bisher nur in sehr wenigen Einzelfällen gezielt gefördert.
Bei der herkömmlichen Produktgestaltung finden folgende Ausarbeitsschritte statt, die immer weiter in die Tiefe gehen: Von der Analyse/Recherche (1) über die Ideenfindung/Konzeption (2) und Designentwürfe (3) bis hin zur Ausarbeitung/Realisierung (4) und schließlich die Markteinführung/Kommunikation (5). Im Kollektiv kann es dagegen zu einer gleichzeitigen Bearbeitung der ersten drei Phasen kommen. Die Phasen fallen allerdings nicht insgesamt weg, sondern verlagertn sich hin zum Selektionsvorgang, bei dem die besten Ideen aus der Masse herausgefiltert werden müssen.
Ideenwettbewerbe kommen diesem Prinzip bereits nahe, allerdings hat hier jeder Ideengeber ein ureigenes Interesse, seine eigene Idee einzureichen anstatt andere Ansätze weiterzuentwickeln, da er ja den Preis gewinnen möchte. Hemmen also Preise die Zusammenarbeit? Könnte ein gezielter Einsatz der neuen Selektionsphasen auf die herkömmlichen Phasen zu einer besseren Kollaboration führen?
Master-Studiengänge Produktentwicklung/-gestaltung:
Hochschule Niederrhein, Produktentwicklung im Maschinenbau
Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, Produktgestaltung
Bauhaus-Universität Weimar, Produkt-Design (Master of Fine Arts)
Hochschule Pforzheim, Produktentwicklung
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