Härtetest: Endurance
Die Disziplin, die die Hauptdisziplin mit der höchsten Punktzahl darstellt, und an der immer wieder Teams scheitern, ist das Endurance-Rennen. Dabei müssen zwei Mal elf Kilometer mit Fahrerwechsel gefahren werden, wobei der Motor beim Wechsel ausgestellt werden muss. Dabei erhalten die Teams nur dann Punkte, wenn die gesamte Strecke gefahren wird und sie höchstens ein Drittel langsamer waren als das schnellste Team.
Das Team des Karlsruher KIT muss bei den dynamischen Disziplinen die Segel streichen. Fahrerin Eva Ziegahn fährt noch den Skidpad, danach ist Schluss. Immerhin reicht es so noch zum 49. Platz. Auch das Elektro-Auto fällt bei den dynamischen Disziplinen aus und landet schließlich auf dem 8. Platz von 15 Teams.
>>Taming The Tiger<<
"Wir überlegen uns jedes Jahr innovative Konzepte für unsere Wagen", erzählt Kathrin Heuser, Marketing-Teamleitung bei KA-RaceIng, "Manche Entwicklungen dauern dann etwas länger als gedacht oder klappen nicht auf Anhieb." Für die FSC und die FSE wurden zwei komplett neue Wagen entwickelt, die auf einem Plattformkonzept basieren.
Bei dem Verbrennermotor entschied sich das Team für eine Direkteinspritzung und baute dafür einen Motorradmotor um, bei dem nun Benzin mit 180 bar Druck eingespritzt wird. Auch bei der Federung arbeiteten die Karlsruher an einem neuen Konzept und verwendeten Torsionfedern, die aus einem in sich gedrehten Stahlstab bestehen. "Allein die Auswahl des Stahls und die Beschichtung waren eine große Herausforderung", erzählt Florian Wehner, der sich intensiv mit der Torsionsfederung beschäftigt hat.
Doppelte Herausforderung
Bei den Neuentwicklungen werden die Studierenden auch vom Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, unterstützt. In einzelnen Instituten können so Studienarbeiten oder auch Abschlussarbeiten geschrieben werden. Die Fertigstellung des Wagens mit Elektro-Antrieb geschieht auf die letzten Sekunde. Bis zum Start arbeiten die Studenten an der Beklebung, konzentriert und durch nichts abzulenken. "Beim Elektro-Antrieb war bis zum Januar nicht klar, ob es überhaupt funktioniert. Eine große Herausforderung war es zum Beispiel, den richtigen Motor und die richtigen Batterien zu finden", so Kathrin Heuser, die im 6. Semester Wirtschaftsingenieurwesen auf Bachelor studiert. Und auch Fragen zum Batteriemanagement mussten erst geklärt werden, bevor der Elektromotor auf den Prüfstand konnte. "Da in diesem Jahr ja die erste FSE stattfand, mussten sich alle Teams erst in die Thematik Elektro-Antrieb einarbeiten. Es gibt ja noch keine Erfahrungen und Vorbilder", so Kathrin Heuser. Das Gesamtteam aus Karlsruhe besteht aus 55 Studierenden, die aus den Fachrichtungen Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik, BWL und weiteren stammen. Je Team wurden fünf Fahrer benannt, eine davon ist Eva Ziegahn. Sie studiert im 8. Semester Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik auf Diplom.
Eva Ziegahn wurde die Liebe zum Autorennen bereits in die Wiege gelegt. Ein vom Motorsport begeisterter Vater brauchte sie früh zum Kartfahren und später zum Autoslalom. Bei KA-RaceIng ist sie die Spezialistin fürs Skidpad-Fahren, bei dem die Rennwagen einen Parcour in Form einer Acht durchfahren. Jeder Kreisring wird zweimal umrundet, gemessen wird jeweils die zweite Runde.
Die Acceleration-Disziplin, bei der die Beschleunigung auf einer 75 m langen Geraden gemessen wird, teilt sie sich mit Kathrin Heuser, während die weiteren dynamischen Disziplinen von ihren männlichen Kollegen übernommen werden. "Die Lenkkräfte beim Autocross oder beim Endurance-Rennen sind nicht zu unterschätzen", betont die 24-Jährige, die nach Ende ihres Studiums am liebsten ein bis zwei Jahre in einem Rennteam mitarbeiten würde.
KA-RaceIng