ESTIEM - Wirtschaftsingenieure engagieren sich international

In diesem Jahr feierte das Netzwerk der Wirtschaftsingenieure ESTIEM (European Students of Industrial Engineering and Management) seinen 20. Geburtstag. Die Organisation ist die einzige europaweite Organisation für die 47.000 Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens. Bei der Gründung 1990 hatten die Initiatoren das Ziel, internationale Beziehungen zwischen Studenten des Wirtschaftsingenieurwesen aufzubauen. Lokal organisiert sind die ESTIEMer in Deutschland über die VWI-Hochschulgruppen, die jeweils unabhängig voneinander sind. Zukx fragte Judith Hartl vom Vorstand der VWI-Hochschulgruppe an der TU Darmstadt zu ihrem Engagement bei ESTIEM.

Von Ute Blindert.

Wie sind Sie zu Ihrem Engagement bei ESTIEM gekommen?

Im Herbst 2009 nahm ich als an einem Vision-Seminar teil, das mich so begeistert hat, dass ich mich selbst bei ESTIEM engagieren wollte. Die Vision-Seminare sind eine Seminarreihe, die jedes Jahr unter einem anderen Motto steht und europaweit organisiert wird. Im Jahr 2009/2010 war das Motto „Efficiency in communication“. Mehrere Lokalgruppen veranstalten dann jeweils ein Seminar zu diesem Thema; in Istanbul fand das Seminar unter dem Unterthema „Kundenkommunikation“ statt. An den fünf bis sechs Tagen wurde viel in Workshops gearbeitet. Aber natürlich kam auch das Sightseeing nicht zu kurz, die Local group hatte sich einiges für uns ausgedacht. Jeder Student muss lediglich eine Teilnahmegebühr von 20 Euro bezahlen, das funktioniert natürlich nur, wenn es der ESTIEM-Gruppe vor Ort gelingt, genügend Sponsoren zu finden.

Und in diesem Jahr organisieren Sie selbst so ein Vision-Seminar mit?

Ja. „Leadership through Engagement“ lautet das Motto in diesem Jahr. Die Seminare finden im Oktober in Grenoble, im Januar in Lulea in Schweden und im Februar in Tempere in Finnland stattfinden werden. In der Seminarreihe werden Vorlesungen und Workshops von Professoren und Unternehmens-Mitarbeitern gehalten. Dazu werden Case Studys veranstaltet sowie Firmenbesichtigungen. Die Abstimmung für die Seminarreihe erfolgt dabei europaweit per Skype oder E-Mail. Dabei arbeiten Studenten aus ganz Europa an einem Projekt zusammen, jeder begeistert sich dafür und lernt eine Menge über andere Kulturen.

Werden von den ESTIEMern noch andere Events organisiert?

Ja. Eines der berühmtesten ist T.I.M.E.S. An dem T.I.M.E.S.-Business-Plan-Wettbewerb nehmen jedes Jahr an die 250 Teams aus 26 Ländern von rund 64 Hochschulen teil. Dem Gewinnerteam wird der Titel „IEM Students of the Year“ verliehen.
Aktuell neu entwickelt wird der ESTIEM Student Guide, der als Wiki im Netz stehen wird und noch dringend Hilfe von Seiten der Studierenden benötigt. Denn hier sollen Studenten, die ins Ausland gehen, all die Informationen finden, die sie dafür benötigen.
In diesem Jahr fand auch bereits die Summer Academy im August in Deutschland unter dem Motto „Deep Entrepreneurship – Manufacturing Europe´s Future“ statt. Zwei Wochen lang kommen Studenten aus aller Welt zusammen, um unter Leitung von Professor Jim Platts, der an der University of Cambridge lehrt und sich bereits seit 2001 für die Summer Academy engagiert, zu diskutieren, zu arbeiten, zu feiern und zu lachen. Dazu kommt noch unser ESTIEMmagazine und das Projekt Europe3D, in dem unsere Mitglieder in einem 5-Tages-Seminar ein europäisches Land von innen kennenlernen, einfach weil ihre Kommilitonen es ihnen persönlich vorstellen.

Hat sich beim Engagement durch die Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse etwas geändert? Haben die Studierenden nun weniger Zeit?

Auf der ESTIEM-Ebene gibt es nun weniger Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, das sehe ich als Vorteil. Auf lokaler Ebene ist es schwieriger, da sie Leute hier wirklich weniger Zeit haben. Allerdings machen wir eher die Erfahrung, dass die meisten bereits im 1. Semester anfangen und bereit sind, sich sehr zu engagieren und auch Verantwortung zu übernehmen. Wenn diese dann auch bis zum Master bleiben, ist auch die Konstanz gewahrt.