Social Media braucht kein Mensch, oder?

Gunter Dueck, ehemals CTO bei IBM Deutschland, auf der TEDx RheinMain 2011: „Ist man auf Facebook oder nicht? Die einen sagen, für die Seele sei es nicht gut. Die anderen sagen, es macht halt einfach Spaß.“

Von Julian Valkieser.

Wie kann man sich heute verwirklichen? Was macht einen Menschen einzigartig? Es sind die Anzahl seiner Verbindungen. Die Verbindungen zu Personen, zu Wissen, zu Eigenschaften, zu Orten, zu Bildern. Diese stellt er vermehrt über das Internet dar und kann dadurch interessant für andere werden, die nach diesen Verbindungen und Kombinationen suchen. 

Das Internet ist laut Definition ohnehin die Verbindung diverser Netzwerke. Also ist es herabgestuft auch als Gleichnis für die Verbindungen menschlicher Synapsen zu sehen. Wenn unser Hirn nun so funktioniert, wieso sollten wir diese Möglichkeiten auf überregionaler Ebene leugnen und nicht nutzen wollen? Es ist erst recht als potenzielle Verbindung verschiedener Köpfe zu sehen.

Ablenkung, Überforderung und die große Frage nach dem Richtigen und meinem persönlichen Nutzen. Das sind für viele Personen Gegenargumente. In anderen Aspekten spricht unsere Natur aber dafür.

Social Media verbindet uns. Es entspricht unserem Grundbedürfnis zu kommunizieren. Allerdings ist der Bedarf nach diversen Kommunikationsformen relativ – dem eigenen Gemüt und Ansprüchen entsprechend. So greift nicht jeder von uns zum gleichen Kanal. Social Media stellt eine schnelle und kompakte Schnipselkommunikation dar. 

Sie ist oberflächlich, bindet uns und die Inhalte nicht so stark, wie z.B. bei einem persönlichen Treffen. Aber sie provoziert die Sicht auf ein größeres Spektrum an Verbindungen und Themen. So beschäftigen wir uns in kürzerer Zeit mit vielerlei Unterschiedlichem. Und genau das macht uns kreativer.

Denn wie entsteht Kreativität? Durch Verbindungen. Konkreter: Durch neue Verbindungen. Die Globalisierung hat eine flache Welt nach sich gezogen. Wir erhalten mehr Konkurrenz, mehr Menschen mit den gleichen Softskills für die gleiche Stellenausschreibung, mehr Wissenschaftler, die am gleichen Thema arbeiten. 

Der Nutzen von Social Media hierfür: Mehr Verbindungen, mehr unterschiedliche Blickwinkel und Horizonte. Du solltest den 9381km weit entfernten Inder nicht als Konkurrent sehen, sondern als jemand, mit dem man potenziell eine Verbindung eingehen und daraus schöpfen, also kreativ sein, etwas schaffen kann. Das ist Social Media. 

Social Media gab aber es schon immer. Jetzt wurden nur eben die Leitungen verlegt, vernetzt und angeschlossen. Social Media ist die Khan Acadamy, das ist ai-class.com, das ist Wikipedia und laut Wikipedia 200 Mio. Blogs weltweit, über eine Milliarde Menschen in Foren und Netzwerken. Knapp die Hälfte der Menschheit ist online. 

Wer da nicht dabei ist, braucht Hilfe! Die Ironie hierbei: Viele Menschen wünschen sich diese, erhalten sie aber nicht. Wenige Elitäre auf der anderen Seite verstehen ihre eigene Hilfsbedürftigkeit nicht, weil sie Angst haben. Angst vor etwas, das ihren Status und ihre Einzigartigkeit verändern könnte. Aber was macht einen Menschen einzigartig? Die sozialen Medien – egal mittels welcher Technologie.

Zur Person:

Julian Valkieser studiert in Köln Wirtschaftsingenieurwesen. Seit 3 Jahren in der studentischen Marketinginitiative MTP aktiv, engagiert er sich für aktuelle Themen wie Markencommitment, Gamification und moderne Arbeitsformen. Aktuell für die nationale Kommunikation der Initiative verantwortlich, organisierte er vorher im Jahr 2011 als Leitung Europas größten Marketingfachkongress für Studenten, die Marketing Horizonte, mit dem Thema "Commitment - I love this brand".

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