Folge 02: Nein!
Bild: DHBW Engineering Stuttgart

Folge 02: Nein!

Diesmal nahm sich unser Autor Martin Rath das Buch "Reputationsmanagement. Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt" von Susanna Wieseneder vor. Begeistert war er nicht.

Von Ute Blindert.
Von Martin Rath

Ich gehe gern die Gefahr ein, mich zu wiederholen: Nein, nein, nein.

Und so weiter: Nein.

Nein Nr. 1:

Den Adressatenkreis von Susanna Wieseneders „Reputationsmanagement“ bilden Manager und Unternehmer, denen die Autorin eine nicht eben taufrische Erkenntnis vorstellt: Dass ein guter Ruf oder der Kredit eines ordentlichen Kaufmanns (nicht identisch mit dem Kreditrahmen seiner Bank) für den wirtschaftlichen Erfolg eines Menschen wichtig ist. Bloß nennt Wieseneder die Sache jetzt eben „Reputation“. Weniger ärgerlich als der Versuch, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen, ist dabei Folgendes: Die Fähigkeit, sich einen guten Ruf zu schaffen, erwerben Menschen nach meiner Überzeugung zuvörderst in einer guten Kinderstube (Elternhaus, Schule, Vereinsleben, der „peer group“ etc.). Darum liegt es nahe anzunehmen, dass potenzielle zukünftige Führungskräfte es ohne die Gabe, sich „angenehm“ (Lessing) zu machen, sich also schlicht angemessen zu verhalten, gar nicht erst bis ins „AC“ schaffen – abgesehen von Blendern (B), Hochstaplern (H) und echten Soziopathen (S). Also Absolventen! Finger weg von diesem Buch, es sei denn, Sie gehören zum BHS-Typ!

Nein Nr. 2:

Ich hätte schon als Schüler (Zweiter Bildungsweg, NRW-Abitur) nicht getan, was Wieseneder sich in diesem Buch leistet: unsauber zu zitieren. Sollte ich richtig gezählt haben, fehlt bei mehr als der Hälfte aller Zitate die Seitenzahl, mitunter überhaupt eine geeignete Quellenangabe. Das finde ich nicht sehr reputierlich.

Nein Nr. 3:

Gut, ich werde etwas persönlich. Allerdings nicht gegen Frau Wieseneder, das wäre nicht charmant. Indes taucht in ihrem Werk der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (1875 bis 1961) als Begründer seiner so genannten (Persönlichkeits-) Typenlehre auf, wissenschaftlich verpackt und mit einem wirtschaftspsychologischen Zierschleifchen versehen. Daran mögen sich viele nicht stören, aber mir gibt es doch zu denken, dass es gar nicht ohne Carl Gustav Jung gehen soll, diesem Gründungsurgroßvater einer Vielzahl quacksalbadernder Psycholehren auf dem grauen Therapiemarkt der Gegenwart.

Nein Nr. 4:

Ich glaube nicht, dass die tragende These des Buches richtig ist. Derzufolge wächst heutzutage die Bedeutung der individuellen Reputation eines Menschen, insbesondere im Berufsleben. Das glaube ich nicht. Dazu ein holzschnittartiges Rätsel, das meinen Zweifel stützen mag:

a) Was tun Bankrotteure in den USA, der heute führenden Wirtschaftsnation, wenn sie – von ihren Schulden befreit – das Insolvenzgericht verlassen?

b) Was tat ein bankrotter Kaufmann im alten Europa, dem im 19. Jahrhundert führenden Wirtschaftsraum, wenn seine Zahlungsunfähigkeit feststand? –

Antworthilfe zu a) und b): Ist ein Bankrott nicht furchtbar reputationsschädigend?

Antwort a): Er nimmt auf den Stufen des Gerichts die ersten Kreditkartenanträge entgegen, die ihm Abgesandte der Bankbranche für seinen Neustart zustecken.

Antwort b): Er ließ sich eine Kugel durch den Kopf gehen.

Köln, 22.1.2007

Wieseneder, Susanna: Reputationsmanagement. Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt (Broschiert). Hanser Wirtschaft, München/Wien 2006. ISBN 3-446-40706-5. 19,90 €.


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