Eine bescheidene Auswahl an Ratgeberliteratur hätte dem bekannten Physiker gewiss ausgereicht. Weltberühmt geworden ist Albert Einstein vor allem zwar durch das Bild, auf dem er unverschämt kindisch die Zunge herausstreckt. Jedoch besteht seine wichtigste Erkenntnis, soweit es ihre Allgemeinverständlichkeit betrifft, in folgendem: Einstein wird nachgesagt, ihm seien verschiedene Reinigungsmittel zu kompliziert gewesen - eine Seife zum Rasieren, eine Seife zum Händewaschen, eine Seife zum Haarewaschen, eine Seife, die er in der Schwimmbaddusche fallen lassen kann - oder so ähnlich -, all’ das sei ihm einfach viel zu viel. Er brauchte nur eine Seife für alles.
Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, ich könne mich in die grandiosen Erkenntnisse eines Albert Einstein hineindenken. Aber irgendwie scheint Einsteins Seifentheorie doch darauf hinauszulaufen, dass man die Dinge so einfach wie möglich halten sollte.
Schlichte Grundausstattung
Bereits
für eine schlichte Grundausstattung an Ratgeberliteratur
(Positivdenkerei, Tausenderlei exotische Kochbücher,
pseudophilosophisches Getu’ und Gemach’) gehen im Lauf der Zeit
schnell ein paar Hundert Euro den Bach herunter. Hinzu kommt der
Platzverlust im Bücherregal. Und was dann dort einstaubt, wäre
selbst im schlimmsten Fall (also: Sie lesen es auch noch) kaum
geeignet, Ihre Sinne zu erhellen und erheitern!
Wo Seneca sein
könnte: Dale. Statt Montaigne: Küstenmacher. Statt
Kamasutra: Anselm „Benedikt 17.“ Grün.
Na, wem es gefällt.
Wem nicht: Sie kommen locker mit 7 Zentimetern Regalverbrauch aus, vierteljährlich kommen exakt 0,5 bis 0,6 Zentimeter dazu. Und hiermit haben Sie fast alles, was Sie an Rat(h) brauchen!
Die ersten rund drei Zentimeter füllen Sie mit:
„ Kochen!“ 1295 Rezepte, die man wirklich braucht. München (Gräfe und Unzer) 2007, 624 Seiten, 12,95 Euro
Als ich mich wohnungstechnisch selbständig machte, reichte mir das. Schluss mit dem zehnbändigen Kochbuch aus Mutterns und Großmutterns Küchen! Erst recht gar nicht erst anfangen mit dem ganzen Exotengemenge aus Teufels Küche, viel besser: Bekochen mich Freundinnen oder Freunde mit einem extraterrestrischen Genuss (die dem Menschen nächste extraterrestrische Zone heißt bekanntlich: „Himmel“), schreiben sie mir das Rezept auf - wenn wir nicht ohnehin gemeinsam kochen. „Kochen!“ - das reicht.
Das darf ich aus gesättigter Erfahrung mitteilen.
Die zweiten rund drei Zentimeter füllen Sie mit einem weiteren emphatischen Ausrufungszeichen:
„ Leben!“ 1013 Ratschläge, die man wirklich braucht - Von Lampe aufhängen über Liebesbrief schreiben bis Lagerfeuer machen. München (Gräfe und Unzer) 2007, 624 Seiten, 16,90 Euro.
Sie können Geld sparen - wenn Sie „Leben!“ statt zum Beispiel „Küstenmacher" kaufen. Das ersparte Geld sollten Sie dann in eine große Freude investieren, die Ihr Bücherregal jeweils vierteljährlich um weitere rund 0,5 Zentimeter anschwellen lässt:
„ Häuptling eigener Herd“ - eine Vierteljahresschrift des Genusses, geschrieben von Köchen, Journalisten, Dichtern und Wissenschaftlern rund um die gewichtigen Herren Vincent Klink & Wiglaf Droste. Diese Köstlichkeit kann zum Jahrespreis von 54 Euro erworben werden: www.haueptling-eigener-herd.de oder über den gewiss höchst leibhaftigen Herrn Eckel 0221 2574072. (Verraten Sie ihm aber bitte nicht, woher Sie den Tipp haben: Er verkauft hauptamtlich Kochbücher…)
Ich gebe mich nun mit meinem Kommentar asketisch und notiere nur: Köstlich!
Köln, 18.4.2007
Folge 06: Ratgeber, die Einstein einfach gefallen hätten