Einstiegsgehälter für Wirtschaftswissenschaftler

Die Frage nach dem Einstiegsgehalt beschäftigt alle Absolventen gleichermaßen. Berufseinsteiger sind oft unsicher und wissen nicht, was sie verlangen können. Für Wirtschaftswissenschaftler oder BWLer können die Gehälter recht unterschiedlich ausfallen. Erste Zahlen zur Einschätzung finden sie hier.

Von Ute Blindert.

Hausaufgabe: Recherchieren!

Zu Einstiegsgehältern für Wirtschaftswissenschaftler lassen sich verschiedene Untersuchungen finden, zum Beispiel im Lohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung (www.lohnspiegel). Auch die Vergütungsberatung Personalmarkt (www.personalmarkt.de) aus Hamburg liefert regelmäßig aktuelle Zahlen zum Einstiegsgehalt für BWL-Absolventen. Am genauesten zugeschnitten für Berufseinsteiger ist die Gehaltsstudie der Personalberatung alma mater (www.alma-mater.de), die für ihre Umfrage Unternehmen aus ganz Deutschland nach den Gehältern für Absolventen befragt. Für die Gehaltsstudie 2011 lagen so Zahlen aus 902 teilnehmenden Unternehmen vor.

Im Durchschnitt starteten Absolventen im Jahr 2010 mit einem Gehalt von 42.963 Euro mit Tarifbindung, ohne waren es 38.326 Euro. Die einzelnen Gehälter können allerdings erheblich voneinander abweichen. Dabei spielen verschiedene Faktoren wie Unternehmensgröße, Tarifbindung, Abschluss, Branche und Funktion eine Rolle.

Je größer, desto höher das Gehalt

Eine wichtige Rolle beim Einstiegsgehalt für BWL-Absolventen spielt die Unternehmensgröße. Denn größere Unternehmen zahlen nicht nur in der Regel besser. Einfluss hat dabei oft die Tarifbindung, dazu kommen oft noch weitere Leistungen des Arbeitgebers wie Betriebsrenten, Zuschüsse zu Betriebsrenten, Versicherungen und Kantinen, Jobticket etc. Wichtig neben dem eigentlichen Gehalt sind die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich in Großunternehmen, gerade auch für Wirtschaftswissenschaftler, ergeben. Hier können sich Berufseinsteiger mit einem Abschluss in BWL oder Wirtschaftswissenschaften am Anfang oft gut weiterentwickeln, kleinere Führungsaufgaben übernehmen, ins Ausland gehen. 

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Bachelor, Master oder Diplom 

Wenn man dann zusätzlich den Abschluss in Betracht zieht, ergeben sich folgende Zahlen:

Image - Einstiegsgehalt nach Abschluss

Mittlerweile können die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse in Personalabteilungen gut eingeordnet werden. Bachelor-Absolventen verdienen im Durchschnitt etwas weniger als BWL-Absolventen mit Master oder Diplom. Wer allerdings in der Regel zwei Jahre früher in den Beruf einsteigt, kann zunächst den Berufsweg im Unternehmen starten. Dafür sind die Einstiegsgehälter ganz ordentlich. Wer dann noch als Berufseinsteiger darauf achtet, dass er im Unternehmen gefördert wird und sich entwickeln kann, kann nach einiger Zeit Gehaltsunterschiede zu den Master-Absolventen wieder ausgleichen. 

Bei den Abschlüssen Master und Diplom fallen kaum noch Unterschiede auf, zumindest beim durchschnittlichen Jahresgehalt. Das liegt sicher auch daran, dass zahlreiche Hochschulen Bachelor und Master konsekutiv anbieten, die quasi das Diplom ersetzen. Schwierig wird es nur dann, wenn Bachelor-Absolventen keinen Master-Studienplatz in BWL oder Wirtschaftswissenschaften finden. Und das kann sich manchmal als durchaus schwierig gestalten.

Einstiegsgehälter nach Branche

Die Branchen Banken, Konsum, Logistik und Unternehmensberatung/Wirtschaftsprüfung zahlen am besten. Vor allem Banken zahlen sowohl im 1. Quartil wie auch im 3. Quartil sehr gut. Interessanterweise liegen Unternehmensberatungen/Wirtschaftsprüfer/Steuerberater nicht an der Spitze bei den BWL-Einstiegsgehältern. Dies liegt daran, dass zu dieser Branche nicht nur die großen "Top Five" wie McKinsey, Roland Berger, PricewaterhouseCoopers gehören, sondern auch zahlreiche mittelständische und kleine Büros. 

Traditionell wird der Handel als schlecht bezahlende Branche eingeschätzt. So ganz geben die Zahlen das nicht her: Der Einzelhandel weist zwar im 1. Quartil einen Wert von 32.000 Euro auf, kann aber im 3. Quartil ordentliche 43.000 Euro aufweisen. In den Medien und im Tourismus wird insgesamt wesentlich weniger gezahlt. Wer in einer Nicht-Regierungsorganisation oder im Öffentlichen Dienst anfängt, muss als BWL-Absolvent mit kleinerem Geld rechnen. Dafür können die einen mit sinnvoller Arbeit und die anderen mit großer Sicherheit punkten. Die Zeitarbeitsbranche liegt ebenfalls bei den eher bescheidenen Gehältern, kann aber für mache Wirtschaftswissenschaftler ein guter Start ins Berufsleben sein. 

Image - EinkommenBranche

Wenn man die Einstiegsgehälter nach Branche und Funktion betrachtet, fällt auf, dass einzelne Branchen verschiedene Funktionen unterschiedlich vergüten. Hintergrund hierbei ist möglicherweise, dass nicht alle Funktionen in allen Branchen gleichwertig zum Tragen kommen. So wird zum Beispiel in der Unternehmensberatung keine Forschung betrieben und die Funktion Vertrieb spielt im Öffentlichen Dienst kaum eine Rolle.

Image - EinkommenBrancheFunktion

Besonders auffällig ist hierbei die unterschiedliche Vergütung in der Funktion Traineeprogramm. Hier lassen sich sehr große Gehaltsunterschiede feststellen. Bei Konzernen werden Traineeprogramme als Vorbereitung auf Führungsaufgaben vorgesehen und Trainees genießen einen hohen Stellenwert. In anderen Branchen werden Trainees als "Lehrlinge" gesehen, die auf ihren eigentlichen Job erst vorbereitet werden müssen. In manchen Branchen muss man als Trainee nach einem BWL-Studium leider damit rechnen, als besserer Praktikant ausgenutzt zu werden, so zum Beispiel in den Medien. 

Mehr Geld in Metropolen?

Wenn man sich die Zahlen der Durchschnittsgehälter anschaut, lässt sich diese Behauptung so nicht aufrechterhalten.

Image - EinkommenRegion

Zwar liesse sich hier ablesen, dass in Nürnberg, Schleswig-Holstein und im Saarland (ohne Saarbrücken) am besten bezahlt wird. Das deckt sich aber nicht unbedingt mit den Ergebnissen aus den letzten Jahren, in denen zum Beispiel Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen weit vorn lagen. Zu beachten ist auch, dass hier alle Fachrichtungen mit einbezogen wurden, also nicht nur die rein wirtschaftswissenschaftlichen. Für Sie sind das natürlich trotzdem wichtige Anhaltspunkte, um in die Verhandlung zu starten.

Faire Bezahlung von Praktika und Abschlussarbeiten

Auch zur Bezahlung von Praktika und Abschlussarbeiten für BWL-Studierende wurden Unternehmen befragt.

Vergütung von Praktika und Abschlussarbeiten

Die Tabelle zeigt eine Brandbreite von 328 Euro im Monat in Nichtregierungsorganisationen (NGO/NPO) bis hin zu 674 Euro im Großhandel. Bei Abschlussarbeiten liegt die Bandbreite zwischen 336 Euro im Öffentlichen Dienst bis hin zu 745 Euro in der Konsumgüterindustrie. 

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