Let´s go: Praktikum im Ausland

Wenn es um Pluspunkte bei der Bewerbung geht, gehört ein Praktikum im Ausland unbedingt dazu. Arbeitgeber schätzen die Praxiserfahrung unter erschwerten Bedingungen und fürs eigene Leben bedeutet die Zeit eine besondere Erfahrung.

Von Ute Blindert.

Bevor Sie sich glücklich auf den Weg zu Ihrer Praktikumsstelle in Ontario, Christchurch oder Marrakesch aufmachen können, liegen eine Reihe von Aufgaben vor Ihnen. Sie müssen sich überlegen, in welcher Region der Welt Sie ein Praktikum machen möchten, bei welchem Unternehmen oder welcher Organisation. Sie müssen Fragen kären wie

  • Wer trägt meine Kosten für Unterkunft, Reise, Verpflegung? Oft reicht das Praktikanten-Gehalt dafür nicht aus, das Salär ist oft eher symbolischer Natur.
  • Wie finde ich eine Unterkunft?
  • Welche Formalitäten muss ich beachten? Visa, Gesundheitschecks...
  • Welche Krankenversicherung benötige ich?
  • Reichen meine Sprachkenntnisse aus oder brauche ich einen Auffrischungskurs?
Für die Vorbereitungen sollten Sie ungefähr ein Jahr einplanen, die Sie nun auch noch neben Ihren normalen Aufgaben erledigen müssen.

Angesichts des enormen Aufwands kann man sich schon mal die Frage stellen: Lohnt sich das eigentlich für mich? Verliere ich dadurch nicht zuviel Zeit (und Geld), die ich viel besser für ein zügiges Studium verwenden sollte?

Vielfach wird darauf hingewiesen, dass Arbeitgeber besonders auf die Kandidaten achten, die Auslandspraktika vorweisen können, schon in Singapur oder Peschawar gearbeitet haben. Arbeitgeber schätzen eben "Soft Skills", Zusatzqualifikationen wie Teamgeist oder Kommunikationsfähigkeit. Und die erwirbt man sich eben nicht hinter seinen Büchern, sondern bei Praktika, ehrenamtlichen Engagements oder Studentjobs.
Wer dabei schon mal im Ausland gearbeitet hat, gilt als durchsetzungsfähig und flexibel, wie die aktuelle Studie "Studentenspiegel 2 - die Umfrage für Berufseinsteiger", durchgeführt von McKinsey und dem SPIEGEL, zeigt.

Doch eigentlich ist der Nutzen ein ganz anderer: Man selbst gewinnt sehr viel durch die Auslandserfahrung. Niemals kann man in so kurzer Zeit so viel über sich selbst lernen, das eigenen Weltbild reflektieren und andere Anschauungen kennen und schätzen lernen. Der Nutzen durch die praktische Erfahrung kommt dann noch dazu, das Arbeiten und Auseinandersetzen mit fremden Menschen und Kulturen und natürlich neue Kontakte in aller Welt.

Besonders gut ist es natürlich, wenn Ihre Praktikumsstationen einen direkten Bezug zu Ihrem Studium und Ihrem Berufswunsch haben. Sie können sehr strategisch vorgehen und Ihren Lebenslauf natürlich von Anfang an auf den Arbeitsmarkt ausrichten. Bei der heutigen Lage auf dem Arbeitsmarkt sicherlich eine gute Vorgehensweise.

Doch wer sein Leben und Studium nur auf den perfekten Lebenslauf ausrichtet, macht es vielleicht auch schon nicht richtig: Denn wie soll man sich gegen immer perfektere Lebensläufe, die mittlerweile die meisten vorweisen können, durchsetzen? Was macht mich dann noch besonders? Vielleicht ist es dann ja doch das Praktikum, das aus der Reihe schlägt, mit interessantem Inhalt, bei einem NGO-Projekt, das Sie zu dem besonderen Kandidaten für Arbeitgeber macht?