Lost in Translation - Ohne Chinesisch geht’s nicht

Tanja Munzig absolvierte ein Medienökonomie-Studium an der Rheinischen Fachhochschule Köln und ging nach ihrem Diplom nach China. In ihrem Blog www.beijingblogger.de berichtete sie regelmäßig über ihre Erfahrungen in Peking.

Von Ute Blindert.

Welche Eigenarten der chinesischen Kultur sind Ihnen besonders aufgefallen?

Ich die Erfahrung gemacht, dass zwar immer gesagt wird, „Ja, ich kümmere mich darum“, ich letztendlich aber immer wieder nachhaken musste, dass den Worten dann auch Taten folgten.

Zum Beispiel beim Taxi fahren: Wenn ich mir nicht sicher war, ob der Taxifahrer verstanden hat, 1. wo ich hin will und 2. ob er überhaupt weiß, wo das ist (das ist nämlich auch keine Selbstverständlichkeit), habe ich immer nachgefragt. Zu 99 Prozent heißt die Antwort „Dui“ also „Ja“, was allerdings kein Garant dafür ist, dass er es wirklich weiß.

Eine Sache, die wirklich befremdlich ist und an die ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen werde, ist das ewige Spucken. Den ganzen Tag und überall sieht und hört man Leute, die lauthals spucken oder, gar noch schlimmer, sich die Nase ausschnauben – allerdings ohne Taschentuch ... das war schon ziemlich eklig. Der Hintergrund hierfür ist, dass dies den Körper reinigen soll ... Sich aber beim Essen die Nase zu schnauben, gilt als äußerst unhöflich.

Ich habe mich mit meinen Lehrerinnen auch über Beziehungen von jungen Chinesen unterhalten. Dabei habe ich zum Beispiel erfahren, dass wenn ein Junge die Tasche des Mädchens trägt, dies ein Zeichen dafür ist, dass sie zusammen sind. Eine meiner Kolleginnen hat mir einmal erzählt, dass sie offiziell nie sagen würde, dass sie einen Freund hat. Denn zum Beispiel zu den Eltern zu sagen „Ich habe einen Freund“ bedeutet wohl gleichzeitig, dass es etwas sehr Ernstes ist und man diesen Jungen heiraten möchte.

Wie sind Sie zu Beginn mit den sprachlichen Barrieren umgegangen?

Auch wenn Freunde, die bereits in Peking waren, mir im Vorfeld erzählten , dass man mit Englisch – gerade in Peking – mehr schlecht als recht zurechtkommt, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wie schwierig es tatsächlich sein würde. Peking, eine Weltstadt, die zudem noch in diesem Jahr die Olympischen Spiele austrägt, da wird es doch kein Problem sein, sich auf Englisch zu verständigen, zumindest Grundkenntnisse müssten doch bei den meisten vorhanden sein, so dachte ich zumindest ... Vor Ort wurde mir dann aber sehr schnell klar, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, Englisch zu sprechen. Nach wie vor ist es mir unbegreiflich, dass eine Vielzahl von Taxifahrern nicht einmal wissen, was „great wall“ oder „forbidden city“ sind.

Chinesisch im Schnelldurchgang

Im Vorfeld hatte ich keinen Chinesischkurs absolviert und konnte mir bei dieser komplexen Sprache auch nicht vorstellen, dass ich nach drei Monaten mehr als meinen Namen sagen oder eine Schüssel Reis bestellen könnte. Meine tollen Chinesischlehrerinnen, haben mich aber ganz schnell eines Besseren belehrt. Dadurch, dass wir in unserem Sprachkurs anfangs nur zu dritt, später sogar nur zu zweit Unterricht hatten, hatte ich die Möglichkeit, sehr schnell und intensiv die Sprache zu lernen.

Aufgrund der vier verschiedenen Grundtöne erhalten vermeintlich gleiche Wörter eine vollkommen andere Bedeutung, was sicherlich zu Missverständnissen und dem ein oder anderen Lacher führte.

Allerdings kann ich diese Erfahrungen wirklich nur auf Peking beziehen. In Shanghai habe ich diese sprachlichen Barrieren nicht erlebt. Hier kann man sich problemlos verständigen. Fährt man jedoch in die ländlichen Regionen, sind chinesische Sprachkenntnisse unerlässlich.

Wie haben Sie Ihre chinesischen Kollegen erlebt?

Dazu muss ich im Vorfeld sagen, dass ich in einem Unternehmen gearbeitet habe, welches nicht von Chinesen, sondern von Europäern geführt wird. Aus Erzählungen weiß ich allerdings, dass es hier immense Unterschiede gibt. In unserem Büro hatte ich mehrere chinesische Kollegen, darunter auch einen älteren Chinesen, unseren Office Manager. In vielen chinesischen Unternehmen gibt es oftmals einen älteren Kollegen, welcher eine „Sonderposition“ einnimmt. Er wird von allen Mitarbeitern mit größtem Respekt behandelt. Dies rührt aus der Kultur des Landes, älteren Menschen gegenüber immer respektvoll und höflich zu sein. Wenn wir zum Beispiel gemeinsam essen gegangen sind, so war er es immer, der zuerst die Karte erhalten hat und die ersten Gerichte auswählte (sofern es keinen Ehrengast gab). Auch war er normalerweise der Erste, der mit dem Essen begann. Generell hatte ich das Gefühl, dass Respekt und Höflichkeit eine sehr große Rolle spielen. Dies trifft insbesondere auf die (etwas) ältere Generation zu. Zwischen den Mitarbeitern in meinem Alter war das Arbeitsverhältnis sehr locker und freundschaftlich.

Was würden Sie jedem, der in China arbeiten möchte, raten?

Es ist im Vorfeld wichtig, dass man weiß, worauf man sich einlässt. Wenn man einen längeren Aufenthalt plant, sollte man zumindest schon einmal vor Ort gewesen sein. Ich kann jedem nur raten, sich auf die kulturellen Unterschiede (Verhaltsregeln) vorzubereiten, rechtzeitig alle Formalitäten (Visum, Impfungen etc.) zu klären und vor Ort die Sprache zu lernen.

Es gibt tolle Networking-Events, die von den jeweiligen Botschaften der einzelnen Länder oder auch von Firmen organisiert werden. Bei diesen Events kann man schnell und unkompliziert Kontakte zu anderen Ausländern pflegen, die gegebenenfalls. schon länger in der jeweiligen Stadt leben, sich über Tipps und Tricks austauschen und mit viel Glück manchmal Freunde finden. Entgegen meinen Erwartungen stellte ich fest, dass zum Beispiel die Deutsche Community in Peking sehr aufgeschlossen und freundlich ist.

Was hat Ihnen im Blick auf Ihre Heimat am meisten gefehlt?

Es gibt diesen schönen Spruch „Heimat ist dort, wo das Herz ist“ und deshalb habe ich natürlich meine Familie und Freunde sehr vermisst. Auch wenn es ganz tolle Gerichte – besonders für Vegetarier – gibt, habe ich manchmal das Essen vermisst. Insbesondere aber auch hygienische Standards, die in China zum Teil wirklich grenzwertig sind. Als Nordlicht hat mir manchmal auch die gute Luft an der Küste gefehlt. Denn über Peking liegt jeden Tag eine Smogglocke.

Als ich eine Kollegin fragte, ob sie auch Weihnachten feiern würde, antwortete sie: „Ja, natürlich, aber nicht nur Weihnachten sondern auch Silvester, Valentinstag oder Halloween“. Mit einem Lächeln fügte sie hinzu: „Wir wissen zwar nicht, was es bedeutet oder warum es gefeiert wird, aber es macht einfach Spaß einen netten Abend mit Freuden zu verbringen“.

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Für den Aufenthalt in China empfiehlt es sich dringend, sich mit der Sprache und der sehr fremdartigen Kultur auseinanderzusetzen. Dann kann einen das riesige Land und die Menschen immer wieder neu überraschen.

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