Einstiegsgehälter für Wirtschaftswissenschaftler
Natürlich interessiert die Gehaltsfrage nach den bescheidenen Studienjahren besonders. Je nach Branche oder Funktion können die Einstiegsgehälter für BWLer oder Wirtschaftswissenschaftler sehr unterschiedlich ausfallen. Umso wichtiger ist es, sich daher eine Orientierung zu verschaffen. Wichtige Ansatzpunkte bieten hier Gehaltsstudien.
Die sehr gute konjunkturelle Entwicklung in den Jahren
2006 bis 2008 schlug sich natürlich auch am Arbeitsmarkt für junge Akademiker
nieder. Absolventen technischer und wirtschaftswissenschaftlicher
Fachrichtungen wurden von Unternehmen umworben und konnten mit sehr guten
Einstiegsgehältern rechnen.
Inwieweit sich die momentane Stimmung auf dem
Arbeitsmarkt konkret auf die Gehälter auswirkt, lässt sich nur schwer vorhersagen.
Wahrscheinlich wird es zwei Richtungen geben: Wer im Konzern oder im
Mittelstand startet, wird wohl keine Einbußen hinnehmen müssen.
Wer allerdings länger sucht und vielleicht auch in einem kleinen Unternehmen startet, wird wahrscheinlich mit weniger nach Hause gehen als noch vor zwei Jahren, da kleinere Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen wesentlich flexibler gestalten können.
Damit Sie nicht allerdings nicht ganz unvorbereitet ins Gehaltsgespräch starten, haben wir Ihnen ein paar Informationen zusammengestellt, die eine wichtige Grundlage bieten. Der erste Schritt bei der Vorbereitung ist die Recherche nach aktuellen Gehältern. Wir stützen uns auf die Gehaltsstudie von alma mater[1] (www.alma-mater.de) aus Stuttgart, die für die Studie 2009 Daten von 685 Unternehmen in Deutschland erhoben hat.
Was zählt der Bachelor?
Eine der wichtigsten Fragen für Absolventen von
Bachelor-Abschlüssen lautet, was Unternehmen ihnen im Vergleich zu Diplom- oder
Master-Abschlüssen bezahlen.
Grundsätzlich lässt sich laut der Studie von alma
mater sagen, dass die Unsicherheit der Unternehmen bei der Eingruppierung der
neuen Studienabschlüsse abgenommen hat, wobei es immer noch deutliche
Unterschiede je nach Unternehmensgröße gibt.
Nach wie vor wird ein Diplom sehr
geschätzt, vor allem von Unternehmen bis zu 100 Mitarbeitern. Größere
Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern haben sich größtenteils auf die neuen
Abschlüsse eingestellt. So holt der Master bei der Akzeptanz auf und gilt dem
Diplom mittlerweile als gleichwertig oder besser.
Als Bachelorabsolvent muss man in allen Unternehmen mit deutlich geringeren Einstiegsgehältern rechnen, aber auch hier hängt es sehr davon ab, was ein Bewerber an sonstigen Qualifikationen mitbringt.
Quelle: alma mater, 2009
Einstiegsgehalt nach Funktionsbereich
Es fällt auf, dass in allen Funktionsbereichen
teilweise deutlich besser bezahlt wurde als im Bereich Traineeprogramm. Vor
allem beim Minimum gibt es einen starken Ausschlag nach unten. Dies lässt sich
dadurch erklären, dass in diesem Funktionsbereich auch zahlreiche
Absolventen anderer Fachrichtungen, zum Beispiel in Verlagen und Agenturen, einsteigen.
Hier kann oftmals ein Traineeship als verbrämtes Praktikum mit entsprechend
geringer Vergütung angesehen werden.
Zu den Zahlen: Der Median (Zentralwert) ist der Wert, der die aufsteigend
geordneten Gehaltsangaben in zwei gleich große Gruppen teilt; 50 Prozent der
Gehälter liegen über, der Rest unter dem Median. Die beiden Quartilswerte geben
den Wertebereich an, in dem sich die mittleren 50 Prozent der Gehälter
konzentrieren.
Vor allem in Großunternehmen muss allerdings kaum mit Gehaltseinbußen
als Trainee im Gegensatz zu Direkteinsteigern gerechnet werden. Zwei- bis
dreitausend Euro Unterschied zum Direkteinstieg lassen sich in der Regel
schnell durch die weitere Laufbahn ausgleichen, da Traineeprogramme in
Konzernen und Großunternehmen auf eine Karriereschritte als Führungskraft vorbereiten
und sehr schnell in sehr gut dotierte Jobs führen können.
Einstiegsgehalt nach Unternehmensgröße
Wie immer wieder betont, lässt sich das Verhältnis von Unternehmensgröße auf das Einstiegsgehalt, auf den Satz reduzieren: Size does matter! Wer in einem großen Unternehmen einsteigt, kann auch mit einem besseren Einstiegsgehalt rechnen. Zirka 10.000 Euro macht der Unterschied zwischen dem Durchschnittsgehalt für Einsteiger bei einem kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern aus. Unterm Strich bleiben am Ende zwischen 400 bis 600 Euro netto mehr oder weniger. Bei diesen Zahlen sollte man folgende Punkte unbedingt mit in die Berechnungen einfließen lassen:
1. Ein niedriges Einstiegsgehalt zieht sich oft durch das gesamte Berufsleben, da bei jedem Jobwechsel das Gehalt prozentual steigt. Daher müssten Sie entsprechend geschickter agieren bei weiteren Gehaltsverhandlungen als Ihre Kommilitonen, die bereits höher eingestiegen sind.
2. Auf lange Sicht wichtiger sind die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten in einem Unternehmen. Und da können größere Unternehmen oft mehr bieten: Auslandspositionen, Führungspositionen, eine systematische Personalentwicklung, die es Ihnen ermöglicht, in den ersten Jahren wichtige Schritte zu gehen. Und die schlagen sich natürlich im Gehalt nieder.
Quelle: alma mater, 2009
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Gehalt eine wichtige Rolle, aber nicht die entscheidende Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers spielen sollte. Andere Faktoren sollten immer mit in die Überlegungen einfließen: Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es im Unternehmen? Wie geht das Unternehmen generell mit seinen Mitarbeitern um? Welche Möglichkeiten gibt es zum Beispiel, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren?
Wer als Berufsanfänger in einem Betrieb mit Tarifbindung einsteigt, kann mit einem Durchschnitt von 42.091 € weit mehr nach Hause bringen als in einem Unternehmen ohne Tarifbindung. Dort beträgt das Durchschnittsgehalt lediglich 37.909 €. Und auch hier spielt die Unternehmensgröße insofern eine Rolle, da hauptsächlich große Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern tariflich gebunden sind.
Meistens positiv: Tarifliche Bindung
Im Rahmen des ERA-TV (Tarifvertrag über das Entgelt-Rahmenabkommen) in den letzten Jahren wird eine Bezahlung nach der Eingruppierung der zu besetzenden Position vorgenommen. Das Bruttoentgelt selbst setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:
- Grundentgelt, das sich aus den Anforderungen für die Ausführung der Arbeitsaufgabe ergibt,
- Belastungsentgelt oder -zulage (nur in einigen Tarifgebieten), die sich aus der Belastungssituation ergibt, sowie das
- Leistungsentgelt, das die persönliche Leistung im Rahmen der Arbeitsaufgabe widerspiegelt.
Diese Entgeltbestandteile sind vom ERA-TV direkt beeinflusst. Dazu kommen oft Entgeltbestandteile, etwa Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit, ein vom Betriebsergebnis abhängiges Entgelt oder sonstige außertarifliche Zulagen.
Einstiegsgehalt nach Branchen
Im Durchschnitt über alle Branchen verdienen Absolventen 39.153 Euro. Schlusslichter bei den durchschnittlichen Einstiegsgehältern bilden die Bereiche Medien und der Öffentliche Dienst. Sogar eine Branche wie die Zeitarbeit konnte in den letzten Jahren aufholen. Weit vorn bei den Gehältern liegen Versorgungsunternehmen, Banken und Hersteller von Konsumgütern, was sicher auch wieder darauf zurückzuführen ist, dass diese meistens Großunternehmen zuzurechnen sind.
Überraschend ist der Wert von 38.000 Euro im Durchschnitt bei den Unternehmensberatungen sowie dem Bereich Wirtschaftsprüfung/Steuerberatung mit 39.000 Euro, gelten diese doch als überaus attraktiv bei den Gehaltsaussichten. Dies gilt sicher für die großen Strategie- und Management-Beratungen. Auch die IT-Beratungen bezahlen in der Regel gut. Doch gibt es daneben auch zahlreiche kleine und mittelständische Beratungen, die sich bei der Vergütung ihrer Einsteiger zurückhaltender zeigen müssen.
Einstiegsgehälter nach Branche und Funktion
Für Sie als Absolventen ist es natürlich besonders wichtig, dass Sie auch genauere Angaben zu den Einstiegsgehältern nach Branche und Funktion haben. Die Personalberatung für junge Akademiker alma mater setzt in ihrer Gehaltsstudie auch diese Ergebnisse in Beziehung zueinander. Hierbei ist zu sehen, dass einzelne Funktionen in verschiedenen Branchen unterschiedlich hoch dotiert werden, wobei der Abstand zwischen den einzelnen Funktionen innerhalb der Branchen weitgehend gewahrt bleiben.
Beim der Funktion Traineeprogramm wird ersichtlich, dass die Branchen dieser Einstiegsmöglichkeit unterschiedliche Bedeutung beimessen. Auf der einen Seite nähert sich hier das Einstiegsgehalt dem Durchschnitt an, andererseits wird in Branchen wie den Medien, den Sonstigen Dienstleistungen, der Beratung und der Zeitarbeit ein Trainee wesentlich geringer entlohnt. Man kann aber auch einen Hinweis darauf entdecken, dass hier Absolventen weniger nachgefragter Fächer wie den Geisteswissenschaften einfach mit niedriger angesetzten Einstiegsgehältern in den Beruf einsteigen.
Regionale Unterschiede bei den Einstiegsgehältern
In der Gehaltsstudie von alma mater wurde auch
untersucht, welchen Einfluss die Region auf die Höhe des Einstiegsgehalts hat.
Wenig überraschend liegen die Einstiegsgehälter der Postleitzahlen-Regionen 0
und 1 ( Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen) am Ende der Skala. Das West-Ost-Gefälle bleibt also bestehen.
Überraschenderweise stellte sich heraus, dass sich das Süd-Nord-Gefälle umgedreht hat und mittlerweile in den PLZ-Regionen 3 und 2 (Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt sowie Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen) am besten bezahlt wird, gefolgt von den Regionen 8 (Baden-Württemberg, Bayern), 6 (Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen), 7 (Baden-Württemberg),4 (Nordrhein-Westfalen), 9 (Bayern, Thüringen) und 5 (Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen). Hierbei ist allerdings zu beachten, dass hier nicht nur die Daten von Wirtschaftswissenschaftlern einfließen, sondern die von Absolventen aller Fachrichtungen.
Praktikantenvergütung
Da Praktika und Abschlussarbeiten, die in Unternehmen
geschrieben werden, sehr wichtig als erste Praxiserfahrungen sind, ist es für
Studierende unerlässlich zu wissen, wie hoch diese normalerweise vergütet sein
sollten. Auch diese Zahlen liefert die Gehaltsstudie von alma mater. Die
Bandbreite bei der Vergütung von Praktika ist sehr hoch; sie reicht von 0 Euro
bis 2.500 Euro pro Monat. Die durchschnittlichen Werte liegen allerdings bei
500 bis 700 Euro.
Quelle: alma mater, 2009
Natürlich ist die Handhabung in verschiedenen Branchen
sehr unterschiedlich. Manche Unternehmen versuchen eventuell, mit einem
unbezahlten Praktikanten eine billige Arbeitskraft zu bekommen. Andere
Unternehmen sind dringend auf Fachkenntnisse und neue Ideen guter Praktikanten
angewiesen. Angebote für unbezahlte Praktika sollten Sie sehr genau abwägen, in
manchen Branchen sind diese leider an der Tagesordnung. Allerdings sollte
dieses dann nie länger als sechs Monate dauern.
[1] Die Personalberatung alma mater, die sich auf die Rekruitierung akademischer Nachwuchskräfte spezialisiert hat, untersucht regelmäßig in ihrer Gehaltsstudie die Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen. Für die Studie 2009 lagen insgesamt 4.224 Gehaltsangaben aus 685 Unternehmen vor. Erhoben wurden die Daten im Zeitraum vom 4.11.2008 bis 20.2.2009.
