Das Vorstellungsgespräch

Natürlich geht es in einem Vorstellungsgespräch darum, sich vorzustellen, und sicherlich haben es Bewerber hier leichter, die sich schnell auf neue Menschen einstellen können und Selbstvertrauen ausstrahlen. Doch grundsätzlich geht es darum, sich natürlich zu geben und keine Rolle zu spielen.

Von Ute Blindert.

Seien Sie ganz natürlich!

Natürlich geht es in einem Vorstellungsgespräch darum, sich vorzustellen, und sicherlich haben es Bewerber hier leichter, die sich schnell auf neue Menschen einstellen können und Selbstvertrauen ausstrahlen. Doch grundsätzlich geht es darum, sich natürlich zu geben und keine Rolle zu spielen.

Das heißt aber nicht, dass Sie das Vorstellungsgespräch auf sich zukommen lassen sollten. Im Gegenteil: Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor: Informieren Sie sich gut über das Unternehmen und die ausgeschriebene Position. Schreiben Sie sich Fragen dazu auf.

Außerdem sollten Sie Ihren Lebenslauf im Vorstellungsgespräch parat haben und auch flüssig über Ihr Studium und Ihre Diplomarbeit erzählen können. Am besten setzen Sie sich noch einmal in aller Ruhe mit Ihrem Lebenslauf hin. Welche Stationen gab es in meinem bisherigen Werdegang als Absolvent, welche Entwicklung habe ich gemacht? Gibt es vielleicht Brüche, die ich erklären müsste?

Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber

Die Profis sitzen Ihnen gegenüber. Doch wenn man Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat, haben Sie die erste Hürde ja schon genommen und sind potenziell interessant für das Unternehmen. Also wird man Ihnen in der Regel zunächst einmal wohlwollend begegnen.

Ihnen wird es aber im Vorstellungsgespräch darum gehen herauszufinden, was Ihre Motivation ist, ob Sie sich wirklich für diese Stelle begeistern können und ob Sie ins Team passen könnten. Also werden diese auch nicht zögern, nachzufragen, wenn Ihnen etwas unklar sein sollte.

Vor dem Vorstellungsgespräch

Aber zunächst einmal von Anfang an. Seien Sie pünktlich. Planen Sie also genug Zeit für den Weg ein, nehmen Sie lieber einen früheren Zug oder fahren eine Stunde früher los. Wegbeschreibungen und Pufferzeiten für Staus und Zugverspätungen sollten Sie nicht vergessen. Sollten Sie dennoch eine Verspätung absehen können (nicht jeder Stau lässt sich vorhersehen, leider!), dann rufen Sie im Unternehmen an und sagen Bescheid. Also: Handy nicht vergessen und vor allem nicht die richtige Telefonnummer!

Noch einmal: Planen Sie genug Zeit ein, so dass Sie nicht gehetzt zum Gesprächstermin erscheinen und noch die berühmte Viertelstunde zum Ankommen haben.

„Höflichkeit ist eine Zier“

Arroganz kommt normalerweise nicht gut an. Grüßen Sie also den Pförtner und wechseln Sie ein paar Worte mit der Sekretärin. Das gilt natürlich besonders für Ihre Gesprächspartner aus der Personalabteilung und dem Fachbereich.

Einstieg ins Gespräch

Es kann sein, dass die Interviewer im Vorstellungsgespräch mit einer Einstiegsfrage zu Ihren Hobbys beginnen. Antworten Sie offen, Romane zu erzählen brauchen Sie nicht.

Diese Fragen werden oft zur Auflockerung verwendet, um Ihnen Ihre Nervösität zu nehmen und sich vorab ein wenig zu „beschnuppern“. Bei aller fachlichen Qualifikation kommt es eben vor allem darauf an, ob Sie als Person ins Unternehmen passen. 

Selbstvorstellung

Nach den ersten auflockernden Fragen werden Sie in der Regel aufgefordert, sich selbst zu präsentieren. Machen Sie hierbei nicht den Fehler und referieren einfach Ihre biografischen Daten aus Ihrem Lebenslauf. Das kann wirklich jeder selbst nachlesen.

Es kommt vielmehr darauf an, wie sie sich nun darstellen. Greifen Sie also Höhepunkte aus Ihrem Lebenslauf auf, verknüpfen Sie diese mit Ihrem Weg, zeigen Sie Ihre Überlegungen und versuchen Sie, lebendig und engagiert zu erzählen.

Fragen zu Ihrem Lebenslauf

Haben Sie Ihren Lebenslauf präsent. Sicherlich passen Sie jeden Lebenslauf an das jeweilige Unternehmen an, ändern hier ein Detail, beschreiben dort ein Praktikum etwas ausführlicher. Wenn es problematische Punkte in Ihrem Lebenslauf gibt, lange Studienzeiten etwa oder einen Studienfachwechsel, dann machen Sie sich vorab Gedanken dazu, wie Sie darauf antworten. Überlegen Sie sich Erklärungen, zeigen Sie auf, dass Sie sich bei Ihren Schritten etwas gedacht haben.

Sollte es wirklich so sein, dass Sie zum Beispiel vor Ihrem Maschinenbau-Studium eine Lehre als Industriekaufmann angefangen und abgebrochen und danach zwei Semester Mathematik studiert haben, dann gehen Sie selbstbewusst und positiv damit um. In etwa: „Ich weiß, dass diese häufigen Wechsel keinen geraden Weg vermitteln. Nach meinem Abitur wusste ich zunächst auch wirklich nicht, was ich wollte und habe zunächst eine sichere Ausbildung zum Kaufmann angefangen. Ich habe sehr bald gemerkt, dass dieser Weg nicht der richtige für mich ist, und ich mich lieber mit Zahlen beschäftige. Tja, und dann musste ich aber während des Mathematik-Studiums feststellen, dass mir dieses Fach zu theoretisch ist. Maschinenbau war dann genau der richtige Kompromiss für mich. Das Studium habe ich dann ja auch in der Regelstudienzeit durchgezogen, obwohl ich sogar ein Semester im Ausland verbracht habe.“

Hier haben Sie einen Schwachpunkt in einen Pluspunkt verwandelt und auch noch auf ein weiteres Highlight in Ihrem Lebenslauf verwiesen: das Auslandssemester.

Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch

Auch wenn vielen Personalverantwortlichen in großen Unternehmen die plakative Frage: „Nennen Sie mir doch bitte Ihre Stärken und Schwächen!“ heute nicht mehr über die Lippen kommt, überlegen Sie sich vorab, was Sie darauf antworten könnten. Und lassen Sie den Quatsch à la „Meine größten drei Schwächen sind Schokolade, Schokolade, Schokolade.“ Es schadet auf keinen Fall, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Dann können Sie nämlich auf die verweisen, die keine großen Schwächen sind wie mangelnde Kritikfähigkeit, Ungeduld etc.

Bei Ihren Stärken wuchern Sie ruhig mit Ihren Pfunden. Gut ist es dabei auch, immer wieder auf Ihre Unterlagen zu verweisen. Zum Beispiel: „Ich bin eine Person, die nicht leicht aufgibt. Um zum Beispiel das Praktikum bei der UNO in New York zu bekommen, musste ich mich drei Mal bewerben, erst dann hat es geklappt. Da ich dort bei meiner Mitarbeit an dem Projekt XY gute Leistungen gezeigt habe, konnte ich noch einmal um drei Monate verlängern.“

Situative Fragen

Bei diesen Fragen möchte man mehr über Ihr Selbstbild und Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion erfahren. Dazu stellen Ihnen die Interviewer Fragen wie „Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie besonders erfolgreich waren.“ Oder: „In welcher Situation haben Sie einen Misserfolg erlebt.“ Damit Ihnen in diesem Moment auch gute Situationen einfallen, denken Sie ruhig vorher darüber nach, welche Beispiel Sie hier anführen könnten. Denken Sie in Geschichten, die Sie Ihrem Gegenüber erzählen könnten.

Verwechseln Sie den Personaler nicht mit Ihrem Therapeuten!

Machen Sie nicht den Fehler und breiten Ihr Seelenleben im Vorstellungsgespräch aus. Dass Sie nicht über die ungerechte Behandlung Ihrer Eltern Ihrer Schwester gegenüber sprechen, sollte Ihnen klar sein. Wie sieht es aber mit der – Ihrer Meinung nach – ungerechten Diplomarbeitsnote aus oder mit den schlechten Führungsmethoden Ihrer früheren Chefin? Machen Sie sich vorher Gedanken, wie Sie mit solchen Fragestellungen umgehen möchten.

Ein Beispiel: „Im Unternehmen XY hatte ich direkt nach meinem Studium angefangen. Die Produkte und die Ideen, die von dort kommen, fand ich immer toll. Als ich dann aber dort gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass es einige Punkte gab, die mir an der Unternehmenskultur nicht lagen. Natürlich konnte das auch mit meiner Abteilung zusammenhängen, da es dort keine Kontinuität bei den Zielen gab und die Leitung oft wechselte. Als ich dann auf der Messe XY Vertreter aus Ihrem Unternehmen kennen gelernt und ich mich weiter informiert habe, habe ich gleich die nächste Gelegenheit genutzt, mich bei Ihnen zu bewerben.“

So können Sie zeigen, dass Sie sich Herausforderungen stellen und nach Lösungen suchen.

Schummeln gilt nicht!

Seien Sie sicher, dass der Personalverantwortliche Unklarheiten und Schwachstellen auf den Grund gehen werden. Er wird so lange fragen, bis er mit der Antwort zufrieden ist. Also geben Sie ehrliche und authentische Antworten! Wenn Sie während des Studiums ein Jahr ausgesetzt haben, um eine Weltreise zu unternehmen, umschreiben Sie das nicht als Praktikum. Es ist so doch schon spannend genug. So könnten Sie anführen: „Nach dem Vordiplom wollte ich ein Jahr um die Welt reisen. Diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen, weil ich das Gefühl habe, dass mich viele Dinge nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht bringen.“

Fachliche Fragen

Je nachdem, ob Sie sich als Trainee bewerben oder als ausgewiesener Fachmann, müssen Sie mit mehr oder weniger fachlichen Fragen rechnen. Gut ist es aber auf jeden Fall, Ihre Diplom- oder Doktorarbeit präsent zu haben und auch flüssig über Studienschwerpunkte erzählen zu können.

Rollenspiele

Einige Unternehmen verwenden gern Rollenspiele, um ihre Kandidaten in konkreten Situationen „in echt“ erleben zu können. Dafür werden Schauspieler engagiert, die auch schwierige Situationen professionell darstellen können. In einer Feedbackrunde wird dann noch einmal auf die Szene eingegangen. Dabei kommt es auch darauf an, wie Sie sich nun selbst sehen und welche Fähigkeit zur Selbstreflexion Sie zeigen.

Unternehmen sollten allerdings Rollenspiele vorab ankündigen. Überraschungen zeugen hier von schlechtem Stil.

„Haben Sie noch Fragen?“

Na klar, haben Sie. Informieren Sie sich vorab über das Unternehmen, bei dem Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen sind. Notieren Sie sich vorab Fragen, die Sie in dem Moment hervorholen und stellen können. Das zeigt, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben.

Gute Fragen können zum Beispiel sein: Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Mentorenprogramm? Wie würde mein künftiger Arbeitsplatz aussehen? Wer werden meine Kollegen sein?

Fragen nach der Gehaltsvorstellung

Wenn die Unternehmensvertreter bis jetzt nichts dazu gesagt haben, könnten Sie an diesem Punkt des Vorstellungsgesprächs durchaus das Thema Gehalt ansprechen.

Vielleicht versucht Ihr Gegenüber, Ihr Gehalt zu drücken. Hier ist es wichtig, dass Sie sich vorab informiert haben. „Nun bin ich verwundert. In Ihrer Branche wird doch Einsteigern normalerweise X gezahlt. Warum ist das bei Ihnen anders?“ Wenn Sie nicht viele Möglichkeiten haben, vielleicht schon länger suchen und nun endlich mit Ihrem ersten Job anfangen möchten, dann loten Sie aus, wie die Steigerungsmöglichkeiten aussehen.

Fair und offen

Sie befinden sich als Bewerber in der Regel in der schwächeren Position. Trotzdem sollten Sie den Eindruck haben, dass man fair und offen mit Ihnen umgeht. Auf Fragen nach Ihrer politischen Einstellung, Schwangerschaft und Familienplanung dürfen Sie ausdrücklich lügen. Denken Sie allerdings auch darüber nach, ob Sie gern in solch einem Unternehmen arbeiten würden...

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