Studentengruppe mit Geschichte
Mit der Akaflieg München e. V. verfügen die Münchner Hochschulen über eine der ältesten und traditionsreichsten studentischen Arbeitsgruppen in Deutschland. Die Anfängen reichen bis in die 20er-Jahre zurück: Seit dem 24. Juli 1924 bis heute konstruieren und bauen die „Akaflieger“ Motor- und Segelflugzeuge in Eigenregie und bieten Studierenden damit neben der Baupraxis auch die Möglichkeit, unter günstigen Bedingungen Flugstunden zu nehmen und abzuheben.
„Ich bin schon während meiner Schulzeit geflogen. Als ich dann zum Studium nach München kam, wollte ich natürlich weitermachen. Außerdem interessierte es mich zu wissen, wie ein Flugzeug aufgebaut ist“, erläutert Paulina Sierak ihr Engagement für die Akaflieg. Die 21-jährige Maschinenbau-Studentin an der TU München verantwortet den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei sorgt sie auch für die Ansprache potenzieller Mitglieder. Theoretisch steht die Akaflieg Studierenden aller Münchner Hochschulen offen. Allerdings befindet sich die Werkstatt am Standort Garching der TU München, so dass die meisten der 45 aktiven Mitglieder aus der TU stammen. „Für die anderen Münchner Studenten ist der Weg oft zu lang“, erklärt Paulina Sierak. Immerhin stellen die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die Hochschule München ein paar Mitstreiter.
Die meisten sind Newcomer
Paulina Sierak stellt unter den Akafliegern eine Ausnahme dar: Die meisten Mitglieder sind vorher nicht geflogen und besitzen meistens auch keine Kenntnisse im Flugzeugbau. Daher bedeutet ein Engagement bei der akademischen Fluggruppe eine Möglichkeit, in den Genuss vergünstigter Flugstunden zu kommen. Dafür müssen die Studierenden allerdings auch einiges an Arbeitseinsatz zeigen: Als „Anwärter“ muss man zunächst in der Zeit von September bis Juni 200 Stunden mitarbeiten, bevor man als aktives Mitglied aufgenommen wird und auch fliegen darf. Mitglieder leisten pro Jahr 300 Stunden ab, ehrenamtlich versteht sich. Nach mindestens drei Jahren als aktives Mitglied wird man zum „Alten Herrn“ oder zur „Alten Dame“. Wobei die Anzahl der „Damen“ dem Schnitt der Studentinnen im Fach Maschinenbau entspricht: Lediglich drei von 45 aktiven Mitgliedern sind Frauen. Alter Herr oder Dame zu sein berechtigt später zum Fliegen der Akaflieg-Flugzeuge.
Anspruchsvolle Aufgaben
Die Aufgaben, die die Mitglieder zu bewältigen haben, sind anspruchsvoll, denn jedes neu gebaute, selbst konstruierte Flugzeug soll eine Innovation sein. So wurde mit der Mü30 Schlacro (aus Schlepp- und Acro-Flugzeug) ein Motorkunstflugzeug gebaut, dessen überschüssige Leistung auch zum Schleppen von Segelflugzeugen genutzt wird. Der Rumpf besteht aus einem beplankten Stahlrohrgerüst und Flächen aus Faserverbundwerkstoffen (Kohlefaser, Glasfaser und Kevlar). Bereits 1985 stand der Entschluss zum Bau der Mü30 fest. Durch Verzögerungen durch einen Motorwechsel und den daraus resultierenden neuen Konstruktionsanforderungen, dauerte es bis 1999, ehe der Erstflug stattfinden konnte.
Für die jeweiligen Projektleiter bedeutet es immer wieder eine besondere Herausforderung, die Arbeit weiter zu treiben und die Studierenden zu motivieren. „Bei uns können aber auch Studien- und Abschlussarbeiten geschrieben werden, in denen einzelne Arbeitsschritte erledigt werden“, berichtet Paulina Sierak. Auch von der TU München wird die Akaflieg München e. V. unterstützt. Professor Horst Baier engagiert sich als 1. Vorstand, die Universität stellt Räume und Werkstätten zur Verfügung und die Fachschaft Maschinenbau kann mit den Studiengeldern studentische Gruppen unterstützen.
Trotzdem fordert ein Projekt wie der Bau der Mü31, eines Hochleistungs-Segelflugzeugs der 15m-FAI-Rennklasse, neben der Konstruktion und dem Bau weitere Fähigkeiten. Die Materialien sind teuer und müssen zugekauft werden, auch ist natürlich die Werkstatt nicht auf alle baulichen Anforderungen angelegt. „Hier helfen uns unsere „Alten Herren“ und „Damen“, erzählt Nachwuchsingenieurin Sierak. Spenden, neue Werkzeuge oder auch Maschinenstunden oder Rechnerkapazitäten sind immer willkommen. Oft muss aber auch der „Schnorrfix“ ran, der für die Sponsorensuche zuständig ist.
Auch wenn das Engagement bei der Akaflieg München einen hohen Zeitaufwand neben dem Studium bedeutet, kann Paulina Sierak es nur empfehlen: „Man lernt, mit Verantwortung umzugehen und auch einmal Konflikte in der Gruppe zu bewältigen.“ Schließlich sei die Akaflieg ja fast wie ein kleines Unternehmen und das bereite einen – neben dem Spaß – auch auf den Joballtag vor.
Das aktuelle Projekt – die Mü31
Die Akaflieg München beschreibt die Idee:
Die Entwurfsidee der Mü31 ist es, eine Minimierung des Interferenzwiderstandes zwischen Rumpf und Flügel zu erreichen. Der Interferenzwiderstand ist der Widerstand welcher Auftritt, wenn man zwei Strömungskörper zusammenführt. Er ist positiv wenn beide Körper einzeln einen geringeren Widerstand hätten als zusammen.
Das finale Modell der Mü31 hat im Nahbereich des Rumpfes eine Aufschränkung und eine geänderte Profilierung, somit erreicht man eine annähernd Elliptische Auftriebsverteilung über den gesamten Flügel.
Der Rumpf "beult" sich schon im hinteren Haubenbereich, kurz vor dem Flügel etwas ein und setzt diese "`Einbuchtung"' auch noch unter diesem fort. Des Weiteren schnürt sich der Rumpf gleich nach der Hinterkante des Flügels sehr stark ein, womit der Flügel auf einer Art „Halbpylon“ sitzt.
Diese Änderungen an der Konfiguration und der Profilierung konnten in mehreren Windkanaluntersuchungen nach Widerstandsreduktionen vermessen werden. Nachteil dieser Konfiguration ist der geringe Platz für die Steuerungsübergabe.
Um den Bauaufwand gering zu halten, wurde für das Leitwerk und Rumpfvorderteil auf Teile des Serienflugzeuges ASW27 der Firma Alexander Schleicher, zurückgegriffen. Alle weiteren Teile, so auch die Außenfliegel, werden im Eigenbau hergestellt.
Die technischen Daten:
Spannweite 15 m
Flügelfläche 9 m²
Flügelstreckung 25
Winglethöhe 0,45 m
Leermasse 240 kg
Maximale Abflugmasse 500 kg
Maximaler Wasserballast 150 l
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
Manövergeschwindigkeit 217 km/h
Mindestgeschwindigkeit 67 km/h
Geringstes Sinken 0,5 m/s
Mehr Informationen zur Akaflieg München e. V.:
Akaflieg München e.V.
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Akaflieg München